Proteste gegen die EZB: Die falsche Zielscheibe

Kommentar18. März 2015, 17:49
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Der bessere Platz zum Demonstrieren wären das Kanzleramt oder das Finanzministerium in Berlin

Seit den ersten Antiglobalisierungsprotesten bei der WTO-Konferenz in Seattle 1999 geht die Bewegung durch Phasen, in denen sie konkrete Forderungen stellt, und solche, wo sie gegen den Kapitalismus im Allgemeinen und das Böse in der Welt demonstriert.

Occupy Wall Street konnte ab 2011 mit ihrem finanzpolitischen Forderungskatalog auch die Unterstützung führender Ökonomen wie Joseph Stiglitz und Paul Krugman gewinnen. Darauf können die Demonstranten, die im Namen von "Blockupy" am Mittwoch anlässlich der Einweihung des neuen Turms der Europäischen Zentralbank (EZB) Frankfurt lahmlegten, nicht zählen.

Das lag nicht nur daran, dass die friedlichen Proteste von gewalttätigen Randalierern missbraucht wurden. Auch waren Anlass und Zielscheibe der Demonstrationen schlecht gewählt. Die Blockupy-Sprecher attackieren die Sparpolitik der Eurozone und solidarisieren sich mit der griechischen Regierung. Zwar ist die EZB Teil der ungeliebten Troika - Pardon: "Brüsseler Gruppe" -, aber ihre Politik der Geldschwemme soll ja gerade die Folgen der Sparpolitik abmildern. Der bessere Platz zum Demonstrieren wären das Kanzleramt oder das Finanzministerium in Berlin.

Tausende Deutsche hätten ebenfalls Lust, vor der EZB zu demonstrieren - und zwar gegen den massiven Ankauf von Staatsanleihen. Diese Kritiker bleiben zu Hause; für die Notenbank sind sie dennoch die unangenehmeren Gegner. (Eric Frey, DER STANDARD, 19.3.2015)

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