Ägypten erschwert Einreise für Individualtouristen

18. März 2015, 17:13
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Einzelreisende müssen sich ab Mitte Mai vorab bei ägyptischen Konsulaten ein Visum besorgen

Mit Schock und ungläubigem Kopfschütteln reagiert der Besitzer einer Hotelkette in Ägypten auf die Nachricht über die neue Visumspflicht. "Die Regierung macht genau das Gegenteil von dem, was sie tun müsste. Da gehen die Urlauber gleich in die Türkei", begründet er seinen Zorn.

Ab Mitte Mai müssen Reisende nach Ägypten, die nicht mit einem Reiseveranstalter unterwegs sind, sich vorher bei der ägyptischen Vertretung in ihrem Heimatland ein Visum beschaffen. Das ist mit viel Umtrieben verbunden. Eine Online-Lösung gibt es noch nicht. Bisher konnten Touristen aus Europa, Amerika und den Golfländern - sie machen über 90 Prozent der Einreisenden aus - bei der Ankunft am Flughafen eine Visamarke kaufen. Nach Auskunft des ägyptischen Tourismusministeriums sei diese Maßnahme aus Sicherheitsgründen erfolgt.

Nach der Revolution von 2011 und den darauffolgenden politischen Unruhen ist der Tourismus, für Ägypten einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren, massiv eingebrochen. Zuletzt war eine zaghafte Erholung zu spüren. 2014 hatten wieder zehn Millionen Ausländer das Land der Pharaonen besucht und für Einnahmen von 7,5 Milliarden Dollar gesorgt. Zwar machen die Einzelreisenden nur fünf bis sieben Prozent aus, aber sie sind nach Angaben von Tourismusverantwortlichen eine wichtige Gruppe und im Fall der Gäste aus dem Golf eine äußerst zahlungskräftige.

Schon vor einem Jahr, mitten in der Krise, war die Visumsgebühr von 15 auf 20 Dollar erhöht worden. Dabei hatte Präsident Abdelfattah al-Sisi vor zehn Tagen bei der Vereidigung des neuen Tourismusministers nochmals ausdrücklich betont: Kommt der Tourismus auf die Beine, geht es auch Ägypten wieder gut. (Astrid Frefel aus Kairo, DER STANDARD, 19.3.2015)

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