Netanjahu verspricht Sicherheit für alle Israelis

18. März 2015, 17:11
140 Postings

Likud-Sieg bei Parlamentswahl in Israel unerwartet klar. Premier Netanjahu geht auf Partnersuche für seine vierte Amtszeit

Im Likud-Hauptquartier in Tel Aviv, wo hunderte Aktivisten und Funktionäre zusammenströmten, sah man Umarmungen und Freudensprünge, als Dienstagabend die ersten Hochrechnungen veröffentlicht wurden. Als dann nach Mitternacht strahlend und winkend Benjamin Netanjahu mit seiner Frau Sara auf der Bühne auftauchte, ertönte der rhythmische Chorgesang, mit dem man den Premier in seiner Glanzzeit oft empfangen hatte: "Er ist ein Zauberer."

Dabei war zu diesem Zeitpunkt erst von einem ungefähren Gleichstand zwischen dem Likud und dem Zionistischen Lager, dem von Yitzhak Herzog angeführten linksliberalen Bündnis, die Rede. Völlig verblüfft waren alle dann am Morgen, als fast alle Echtstimmen ausgezählt waren: Der Likud hatte nicht bloß gleichgezogen, sondern die Herzog-Liste mit 30 gegen 24 Mandate ganz klar distanziert. Netanjahu, so stellte sich heraus, behielt also recht, nachdem er schon in der Nacht verkündet hatte: "Wir haben einen großen Sieg für das nationale Lager unter der Führung des Likud erreicht."

Überraschende Wende

Es war wirklich ein Zauberkunststück oder ein Auferstehungswunder, das "Bibi" Netanjahu, der zuletzt schwer angeschlagen und beinahe panisch gewirkt hatte, vollbracht hat. Die letzten Umfragen vier Tage vor der Wahl hatten übereinstimmend noch einen deutlichen Vorsprung des Zionistischen Lagers angezeigt, und Netanjahu schien bloß noch um Schadensbegrenzung bemüht zu sein. Jetzt heißt es beim Likud, man habe immer gewusst, dass die Umfragen falschlagen und dass die Medien das Bild verzerrt hätten: "Die anderen Parteien haben die Parole 'Nur nicht Bibi' ausgegeben, und die Medien haben uns erzählt, dass die Arbeiterpartei vier, fünf Mandate Vorsprung hat", sagte Nili Pitchon von der Likud-Filiale in Aschdod. "Aber wir haben immer gesagt, das kann nicht sein, und wir waren sicher, dass das israelische Volk das nicht glaubt."

Bei einem Besuch an der Klagemauer in Jerusalem sagte Netanjahu am Mittwoch unmittelbar nach seinem Wahlsieg, er sei "bewegt von der Verantwortung", die ihm die Wähler anvertraut hätten: "Ich werde alles tun, was ich kann, um Wohlstand und Sicherheit für alle Bürger Israels sicherzustellen, und wenn Gott will, dann wird es uns gelingen."

Herzog gesteht Niederlage ein

Im nahegelegenen Hauptquartier des Zionistischen Lagers spürte man schon am Abend die Enttäuschung, doch Herzog versuchte, die Hoffnung noch wachzuhalten. Man müsse erst die Auszählung abwarten, sagte er, und er erhebe Anspruch darauf, die Regierung zu bilden. Am Morgen musste Herzog dann jedoch seine Niederlage eingestehen: "Aber den Bürgern Israels soll klar sein, dass die Herausforderungen und die Probleme die gleichen geblieben sind, und daher werden Zipi Livni und ich weiterhin das Zionistische Lager anführen, als Alternative in jedem einzelnen Bereich" , erklärte der unterlegene Yitzhak Herzog.

Netanjahu sprach in seiner Siegesrede von "großen Herausforderungen im Sicherheits- und außenpolitischen Bereich". Deshalb "erwarten die Bürger Israels von uns, dass wir rasch eine verantwortungsbewusste Führung bilden, die für sie arbeiten wird". Er werde sich zuerst an die Rechtsparteien wenden, stellte Netanjahu klar, ohne zu sagen, durch welche zusätzlichen Partner er seine Koalition ergänzen will.

Auf jeden Fall ist Netanjahu auf die neue Zentrumspartei des früheren Likud-Ministers Mosche Kachlon angewiesen, der durch seinen Kampf gegen hohe Preise und Monopole populär geworden ist und jetzt Finanzminister werden will. Eine Beteiligung der Arbeiterpartei schien unwahrscheinlich, obwohl Staatspräsident Reuven Rivlin sich noch in der Wahlnacht eine große Koalition gewünscht hatte.

Erfolg arabischer Parteien

Als "historische" Entwicklung werteten Kommentatoren, dass die "Gemeinsame Liste" der arabischen Parteien jetzt die drittstärkste Kraft im Parlament ist - bisher hatten drei arabische Listen separat agiert. Am anderen Ende des Spektrums ist die Partei von Außenminister Avigdor Lieberman auf sechs Mandate abgestürzt - deshalb ist es sicher, dass der Rechtsaußen nicht wieder Außenminister wird. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, 19.3.2015)

  • "Wenn Gott will, dann wird es uns gelingen." Premier Benjamin Netanjahu versprach am Mittwoch an der Klagemauer in Jerusalem Sicherheit und Wohlstand. Bei der Wahl hatte sein konservativer Likud überraschend gegen das Zionistische Lager von Yitzhak Herzog gewonnen.
    foto: reuters/ronen zvulun

    "Wenn Gott will, dann wird es uns gelingen." Premier Benjamin Netanjahu versprach am Mittwoch an der Klagemauer in Jerusalem Sicherheit und Wohlstand. Bei der Wahl hatte sein konservativer Likud überraschend gegen das Zionistische Lager von Yitzhak Herzog gewonnen.

  • Artikelbild
Share if you care.