EU fördert durch Importe die illegale Abholzung in den Tropen

20. März 2015, 05:30
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Seit der Jahrtausendwende wird alle zwei Minuten die Fläche eines Fußballfeldes gerodet

Brüssel - Die Brüsseler Umweltschutzorganisation Fern stellt der Europäischen Union in einer neuen Studie kein gutes Zeugnis aus. Demnach fördert die Nachfrage in Europa die illegale Abholzung in den Tropen. Seit der Jahrtausendwende sei dafür alle zwei Minuten eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt worden.

2012 wurden laut Fern Produkte im Wert von rund sechs Milliarden Euro eingeführt, die die Abholzungvorantreiben. Fünf große EU-Mitgliedstaaten seien laut der NGO die größten Konsumenten, sie sind für drei Viertel des EU-weiten Imports dieser Produkte verantwortlich: Großbritannien bei Rindfleisch, Frankreich bei Soja, Deutschland und die Niederlande bei Palmöl und Italien bei Leder. Deutschland gehört zudem mit Gütern im Wert von rund 800 Millionen Euro zu den Hauptimporteuren.

Das entspricht laut Studienautor Sam Lawson einem Viertel der gehandelten Ware weltweit. Rund 60 Prozent der Produkte, die mit illegaler Rodung verbunden sind, kommen aus Brasilien. Dort werden die Böden vor allem für Viehzucht und die Anpflanzung von Soja verbraucht. Auch das eiweißhaltige Soja wird zum Großteil als Futtermittel eingesetzt.

Sojaanbau vernichtet Wald

Laut aktuellen Schätzungen der US-Umweltorganisation Forest Trends sind 90 Prozent aller Entwaldungen in Brasilien illegal. Weitere 25 Prozent stammen aus Indonesien, wo hingegen vor allem Palmöl und Früchte gewonnen werden. Mit Abstand folgen Malaysia, Paraguay, Argentinien und Uruguay, wo die Umweltschäden besonders schwerwiegend sind. Lawson prognostiziert, dass die Bedeutung anderer Lieferanten in Zukunft wachsen werde. Als Beispiele nennt er lateinamerikanische Staaten und einige afrikanische Länder sowie Papua-Neuguinea, Kambodscha und Laos.

"Der EU-Verbrauch zerstört nicht nur die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei", sagte Studienautor Lawson, da die Entwaldung illegal sei, werde auch Korruption gefördert. Das führe in der Folge zu Gewalt und Menschenrechtsverletzungen.

Zwar gibt es Richtlinien der Europäischen Union bezüglich Holzimporten - Holz darf zum Beispiel nicht aus unerlaubten Rodungen in den Handel gebracht werden -, doch das Problem ist umfassender: Inzwischen würden Bäume vor allem deshalb illegal gefällt, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen, betont Fern. Vertreter der Umweltorganisation fordern daher einen umfassenden Aktionsplan der EU. Dadurch soll sichergestellt werden, dass nur noch legale und nachhaltig produzierte Rohstoffe importiert werden.

Konsumenten haben teilweise die Möglichkeiten, genauer hinzusehen: Bei Palmöl ist es etwa seit Ende 2014 gemäß einer EU-Verordnung nicht mehr erlaubt, es unter der Bezeichnung "Pflanzliche Öle" zu verstecken. Es muss klar deklariert werden. (Julia Schilly/DER STANDARD, 19.3.2015)

  • Eine Luftaufnahme eines gerodeten Areals im Amazonas im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens im Amazonasgebiet.
    foto: reuters/nacho doce

    Eine Luftaufnahme eines gerodeten Areals im Amazonas im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens im Amazonasgebiet.

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