Stadtarchäologen fanden älteste römische Relikte im Wiener Raum

18. März 2015, 15:15
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Die Funde aus dem ersten Jahrhundert bilden die ersten Nachweise der Mischung von keltischer und römischer Kultur in Wien

Wien - In der Rasumofskygasse im dritten Wiener Gemeindebezirk haben Archäologen die bisher ältesten römischen Funde im Raum der Bundeshauptstadt gemacht. Sie stammen aus der Mitte des ersten Jahrhunderts und kamen bei den Bauarbeiten zur neuen Postzentrale zum Vorschein, wie die Leiterin der Wiener Stadtarchäologie, Karin Fischer Ausserer, erklärte.

Römische Importgüter

Aber auch aus anderen Gründen seien die Funde interessant: Zum ersten Mal lasse sich hier eine Mischung zwischen der spätkeltischen und der frührömischen Kultur nachweisen. "Bisher konnten wir im Stadtgebiet immer nur entweder oder, aber nie beide gemeinsam fassen", so Fischer Ausserer. Denn neben keltischen Grubenhäusern, Brunnen, Öfen und Gruben finden sich auch römische Importgüter wie Amphoren aus dem Adriaraum, Feinkeramik oder Schreibgeräte - und damit auch die frühesten Zeugnisse für Schriftlichkeit im Wiener Raum.

Noch befinde man sich im Abschluss der Grabungsarbeiten, erst danach werden die Funde auch detailliert ausgewertet, so die Archäologin. Man gehe jedoch davon aus, dass es sich um eine Siedlung hochgestellter keltischer Eliten handle, die bereits von der römischen Kultur beeinflusst waren. Von der Stellung der Siedler zeugen etwa "Tüpfelplatten", also Tonplatten mit kleinen Vertiefungen, in denen Münzrohlinge produziert wurden, sowie Gussformen, die vermutlich zur Bearbeitung von Bronze dienten und Werkstattreste, die auf die Perlenherstellung aus Bernstein hindeuten.

Ergiebige Fundstätte

Insgesamt habe man rund 50 Kisten an Objekten bergen können. Nach der Auswertung könne man vielleicht mehr über das Zusammentreffen und die gegenseitige Beeinflussung der beiden Kulturen sagen, so Fischer Ausserer. Grundsätzlich seien die Gebiete links und rechts des Rennwegs eine archäologisch wichtige Zone und ein wunderbares Archiv, denn hier schlängelte sich ein Teil der Donaulimesstraße, die von Klosterneuburg nach Hainburg führte.

Die römischen Funde in der Zivilsiedlung am Rennweg datiert die Archäologin auf die Mitte des 1. Jahrhunderts. Zum Vergleich: Die Grabungen am Michaelerplatz in der Inneren Stadt stammen aus dem 2. bis 4. Jahrhundert. Denn erst nach und nach kamen mit den römischen Soldaten auch die "canabae legionis" nach Vindobona, also die zivilen Lagerdörfer rund um das Lager der Legion, in denen sich etwa Händler oder - trotz Heiratsverbots - die Familien der Soldaten ansiedelten. Die Funde am Michaelerplatz stammen aus einem solchen. (APA, 18.3.2015)

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