Trinkwasser auf kleineren Inseln Vanuatus geht zur Neige

18. März 2015, 12:00
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Abgelegene Inseln mangels Landepisten und Häfen kaum zu erreichen

Port Vila/Canberra - Fünf Tage nach dem Durchzug von Zyklon "Pam" sind in einigen der verwüsteten Inseln im Pazifikstaat Vanuatu erste Hilfslieferungen eingetroffen. Mindestens sieben Tonnen Medikamente, Trinkwasser, Sanitärkits, Planen und Kettensägen wurden am Mittwoch von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz und Oxfam unter anderem auf die im Süden Vanuatus gelegene Insel Tanna gebracht.

Vor Ort ist auch der Care-Mitarbeiter Stefan Knollmayer, ein Australier mit österreichischen Wurzeln. "Als ich am Sonntag in Port Vila angekommen bin, war die Hauptstadt schwerbeschädigt. Trümmer lagen auf den Straßen, ein Vorankommen war schwierig", erzählte Knollmayer der APA. Auch der Flughafen sei stark in Mitleidenschaft gezogen gewesen.

Knollmayer zufolge hat "Pam" aber vor allem die Südinseln des Landes schwer getroffen. Care habe mittlerweile Erkundungsflüge durchgeführt und schwere Zerstörungen festgestellt. Auf Tanna, auf der rund 25.000 Menschen leben, sei kaum jemand nicht obdachlos geworden. "Bäume sind umgefallen, Häuser sind umgefallen, Wasserquellen wurden beschädigt", schilderte der Helfer.

Trinkwasserversorgung zusammengebrochen

Das ist vor allem für die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln ein großes Problem. Auf vielen Inseln gibt es keine Flüsse. Die Versorgung funktioniert, indem die Bevölkerung Regenwasser auf den Dächern ihrer Häuser sammelt und damit über die Schwerkraft Felder und Gärten bewirtschaftet. Die laut Knollmayer meist sehr leichten Bewässerungssysteme wurden durch "Pam" völlig zerstört. Die Folgen waren überschwemmte Felder und kein Trinkwasser.

Ein Team der BBC berichtete von der Insel Moso im Nordwesten, auf der die Menschen in ihrer Verzweiflung begonnen hätten, Salzwasser zu trinken. Dies kann zu Dehydrierung und sogar zum Tod führen.

"Die Priorität lautet Nahrungsmittel", sagte Knollmayer. "Wir arbeiten unter Hochdruck, um Hilfsgüter und Wasserbehälter in die Krisenregion zu bekommen." Dazu kommt, dass auch der Wiederaufbau der Häuser möglichst schnell erfolgen muss, um die Wasserversorgung wieder herzustellen. Care stellt daher auch Wiederaufbaupakete zur Verfügung: Werkzeug, Nägel, Holz und andere Materialien. Denn die Regensaison stehe kurz bevor.

320 Stundenkilometer

Für Donnerstag wird eine weitere Fähre mit Hilfsmitteln erwartet. Zahlreiche der 80 Inseln blieben bisher für die Helfer mangels Landepisten und Tiefwasserhäfen praktisch unerreichbar. Einsatzkräfte berichteten von Überflügen, dass Menschen auf der Insel Ambryn ein großes "H" für "Help" ("Hilfe") auf den Boden gemalt hätten. Auf der Insel Tongoa hielten Bedürftige Spiegel in die Höhe, um auf sich aufmerksam zu machen, sagte Colin Collett van Rooyen von Oxfam.

Unterdessen hat Australien ein Team von 20 medizinischen Hilfskräften entsandt. Sie sollen in Port Vila eine vorübergehende Krankenstation errichten, hieß es von den Behörden. Die Ärzte des dortigen Krankenhauses hätten bisher 150 Patienten behandelt, sagte der medizinische Leiter am Mittwoch dem Sender Radio New Zealand. Unterdessen korrigierten die Vereinten Nationen die Zahl der Todesopfer auf elf. Zuvor war von 24 Toten die Rede gewesen.

Der Zyklon "Pam" hatte Vanuatu in der Nacht auf Samstag getroffen. Die Sturmböen erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde. (APA/AFP, 18.3.2015)

  • Hilfspakete aus Neuseeland.
    foto: reuters/edgar su

    Hilfspakete aus Neuseeland.

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