Kühnes Hoffen und banges Rechnen

17. März 2015, 18:15
9 Postings

52 Jahre nach den Spielen in München soll Olympia endlich 2024 wieder einmal in Deutschland gastieren. Berlin zog gegen Hamburg den Kürzeren

Hamburg/Wien - Ehe Olympia kommt, wird noch sehr viel Wasser via Alster in die Elbe rinnen, aber auch ein Sieg über die innerdeutsche Konkurrenz ist eine feine Sache. Also wurde in Hamburg ordentlich Schampus verspritzt, als Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in Frankfurt am Main verkündet hatte, dass sich die Hanseaten, nicht die Berliner, um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 bemühen dürfen. Hörmann, der Nachfolger des aktuellen obersten Olympiers Thomas Bach, riet allerdings zur Mäßigung: "Es ist besser, katerfrei zu sein, denn ab sofort gilt es, die Dinge umzusetzen."

Tatsächlich erwartet die Norddeutschen ein steiniger, vor allem teurer Weg bis zur Vergabe der Spiele im Sommer 2017 in Lima. Und nach derzeitigem Stand sind sie auch Außenseiter. Als hoher Favorit gilt Boston, ein weiterer Konkurrent ist Rom.

Deutschlands obersten Sportpolitiker, Thomas de Maizière (CDU), focht das nicht an. Die Bundesregierung, sagte der Bundesinnenminister, werde die Bewerbung "nach besten Kräften unterstützen. Für Olympia sind wir ab heute alle Hamburger." Man sei sich der Stärke der Konkurrenz bewusst, "aber wir werden auch eine starke Bewerbung abgeben und dabei neue Maßstäbe setzen in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Bescheidenheit."

Die Bürger haben das letzte Wort

Zunächst müssen einmal die Hamburger Bürger befragt werden. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat die Rechtsverbindlichkeit des Referendums versprochen, allerdings ist fraglich, ob es schon vor Anmeldeschluss der Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) am 15. September über die Bühne gehen kann. Momentan steckt der im Februar wiedergewählte Scholz noch in Koalitionsverhandlungen.

Die Stimmung ist positiv, das kann sich aber flott ändern, wenn die tatsächlichen Kosten für Olympia einmal auf dem Tisch liegen. Nach Angaben ihrer Handelskammer kommen auf die Hansestadt Investitionskosten von bis zu zwei Milliarden Euro für den Neubau und die Sanierung von Sportstätten zu. Was die operativen Olympiakosten anbelangt, geistert eine Zahl von drei Milliarden herum. Allein die Bewerbung verschlingt bis zu 50 Millionen. "Wer meint, die Bürgerbefragung in Hamburg wird ein Selbstläufer, der liegt garantiert falsch. Es muss weiter klar und transparent kommuniziert werden, auch in puncto Finanzen", sagte also DSBO-Chef Hörmann nach der "Hamburger Krönungsmesse" in der Frankfurter Pauluskirche.

Dass Deutschland als Favorit für die Ausrichtung der Fußball-EM 2024 gilt, schmälert die Zuversicht nicht. Wenn ein Land in der Lage sei, für Juni/Juli die EM und im folgenden August Olympia zu organisieren, dann Deutschland, hieß es beim DSBO.

Berlin nicht sexy genug

Frustriert waren die Berliner. Besonders die Tatsache, dass die Spitzensportverbände mit 18:11 für Hamburg stimmten, stieß auf Unverständnis. "Sonst kommen die kleinen Sportverbände ja gerne nach Berlin, weil es ihre Sportstätten woanders nicht gibt. Nun wollen sie nach Hamburg, weil dort neu gebaut wird", sagte Olympiasprecher Stefan Thies.

In Hamburg, das 2003 in einer innerdeutschen Ausscheidung an Leipzig (2012) gescheitert war, müsste ordentlich gebaut werden - neben dem Olympiastadion in der OlympicCity (gegenwärtig ein Industriegelände im Hafen) etwa eine Schwimmhalle, eine Kanustrecke sowie ein Rugby-Stadion. Gesegelt werden soll vor Kiel, Lübeck oder Rostock-Warnemünde, das sich auch mit Berlin Chancen ausgerechnet hatte.

Ganz abgehakt haben die Berliner das nach den Nazispielen 1936 und der verkorksten Bewerbung für 2000 schwer belastete Thema Olympia übrigens noch nicht. Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) träumt etwa von der Chance, "den regierenden Bürgermeister 2024 nach Boston zu begleiten, wenn er die olympische Fahne abholt" - für die Berliner Sommerspiele 2028. (sid, lü - DER STANDARD, 18.3.2015)

  • Die 120 Alsterschwäne, die kürzlich aus ihrem Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich zurück zur Außenalster geleitet wurden, sind alle für die Spiele 2024. Schließlich sind die "Füttern verboten" -Schilder unmöglich in alle Sprachen der olympischen Familie zu übersetzen.
    foto: apa/bockwoldt

    Die 120 Alsterschwäne, die kürzlich aus ihrem Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich zurück zur Außenalster geleitet wurden, sind alle für die Spiele 2024. Schließlich sind die "Füttern verboten" -Schilder unmöglich in alle Sprachen der olympischen Familie zu übersetzen.

Share if you care.