Offizieller Baubeginn für Transanatolische Pipeline

18. März 2015, 07:00
45 Postings

Die EU bekommt ihren Energiekorridor

Ankara/Athen - Den "Süd-Korridor" gab es immer nur auf dem Papier, als roten Strich auf der Landkarte, oder bei Konferenzen von Brüsseler Bürokraten als Schwurbel-Begriff mit dem Hauch von Freiheit und weltpolitischer Tatkraft. Durch den "Süd-Korridor" soll Europas Energieversorgung rauschen, endlich unabhängig von Russland und seiner Gasprom.


Mit einem symbolischen Spatenstich in Kars, weit im Osten der Türkei an der Grenze zu Armenien und Georgien, am Dienstag ist die EU ihrer Korridoridee aber ein deutliches Stück näher gekommen. Im Beisein von Energiekommissar Maros Sefcovic haben die beiden autoritär regierenden Präsidenten der Türkei und Aserbaidschans, Tayyip Erdogan und Ilham Alijew, den Baubeginn der Tanap erklärt, der Transanatolischen Gaspipeline, die 1850 Kilometer von der türkisch-georgischen zur türkisch-griechischen Grenze führen wird.

16 Milliarden Kubikmeter Erdgas sollen ab 2019 zunächst durch die Pipeline fließen und mit der TAP, der ebenfalls nun im Bau befindlichen Transadriatischen Pipeline, von Griechenland über Albanien nach Italien und weiter nach Europa transportiert werden. Sechs Mrd. Kubikmeter hat sich die Türkei reserviert, eine Milliarde soll über einen Konnektor nach Bulgarien. Die restlichen neun Milliarden aus dem Gasfeld Shah Deniz 2 im aserbaidschanischen Teil des Kaspischen Meers bleiben anderen EU-Staaten.

Nabucco-Comeback

Das entspräche nur um die sechs Prozent der Menge, die derzeit die russische Gasprom nach Europa liefert, betonen Energieexperten. Die Kapazität der Tanap soll aber in den folgenden Jahren schrittweise auf 31 Mrd. Kubikmeter ansteigen. Damit würde auch eine Versorgung über einen zweiten Strang im Balkan nach Österreich möglich werden - eine Wiedergeburt der Nabucco-Idee. Sie würde mit denkbaren Lieferungen aus Turkmenistan oder dem Iran noch wahrscheinlicher werden.

Für die wie die EU ebenfalls sehr energieabhängige Türkei ist die Tanap eine Zäsur: Der ewige EU-Kandidat wird mit der Pipeline tatsächlich zu der Energiedrehscheibe, die Politiker und Energiemanager schon seit einem Jahrzehnt beschwören. Beim russischen Projekt Turkish Stream, einem Ersatzunternehmen für South Stream, das die EU blockiert hatte, tritt Ankara mittlerweile etwas auf die Bremse: Das Projekt sei teuer, der Zeitplan unrealistisch, die Abhängigkeit von russischen Energieimporten würde nur größer werden, heißt es. (Markus Bernath, DER STANDARD, 18.3.2015)

Share if you care.