Stadtentwicklung: Neue S-Bahn-Station für Liesing geplant

18. März 2015, 05:30
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Wien wächst im 23. Bezirk stark: Der auch mit Bürgern erarbeitete Strategieplan sieht allein in Atzgersdorf und In der Wiesen Potenzial für 27.000 neue Bewohner

Wien – Das aktuelle Wachstum von Wien macht auch vor Liesing nicht halt. Und die Stadt hat mit dem fünftgrößten Gemeindebezirk im Südwesten Wiens auch einiges vor. Bald wird Liesing die 100.000-Einwohner-Marke knacken, bis 2024 sollen laut Berechnungen der MA 23 im Vergleich zum heutigen Wert (96.200) etwa 13.600 neue Bewohner in diesem Bezirk leben.

Im Planungsprozess "Perspektive Liesing", an dem sich die TU Wien, die Stadt und die Bürger Liesings beteiligten, wurde ein Strategieplan entwickelt, der sich mit den künftigen Herausforderungen des Stadtteils in Bereichen wie Schulbedarf, Freiraumangebote oder Verkehr beschäftigt. "Liesing ist ein Bezirk, der sich stark verändert hat und noch stark verändern wird", sagt Rudolf Scheuvens, Professor für örtliche Raumplanung und Stadtentwicklung an der TU Wien, dem STANDARD. "Für alteingesessene Bewohner ist das auch mit Unbehagen, Angst und Ablehnung verbunden. Wir haben versucht, verschiedene Bedürfnisse in einem Plan abzustimmen." Dieser wurde am Dienstag in der Stadtentwicklungskommission mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und ÖVP beschlossen.

Konkret sieht der Strategieplan alleine in den Entwicklungsgebieten Atzgersdorf und In der Wiesen ein Wohnpotenzial für 27.000 neue Einwohner. Scheuvens und sein Team haben sich der Frage gestellt, welche Konsequenzen diese bald möglichen Bauten auslösen könnten. Experten schätzen, dass dieses Potential in den kommenden fünfzehn Jahren ausgeschöpft werden könnte.

Neue S-Bahnstation "Rosenhügel"

"Ohne Stärkung des öffentlichen Verkehrs wird es nicht gehen", sagt Scheuvens. Im Strategieplan wird auf die Errichtung einer neuen S-Bahnstation "Rosenhügel" – zwischen den S-Bahnstationen Hetzendorf und Atzgersdorf – gedrängt. Diese sei mit der Notwendigkeit "eines viergleisigen Ausbaus der Südbahn" und mit Intervallverdichtungen abzustimmen. Bei der U6-Station Erlaaer Straße soll ein zusätzlicher nördlicher U-Bahn-Aufgang errichtet werden.

Eine neue Schnellbusverbindung soll den S-Bahn-Knoten Liesing mit der U6 und mit der U1 verbinden ("Liesingtaltangente"). Dazu kommen zahlreiche Radwege.

Keine rechtliche Bindungswirkung

Der Strategieplan hat freilich keine rechtliche Bindungswirkung. Scheuvens: "Aber er hilft, Projekte nicht isoliert zu sehen." Soll heißen: Wenn Wohnbauprojekte genehmigt werden, muss die Politik auf das große Ganze und damit auch auf den Öffi-Ausbau Rücksicht nehmen.

Einige der Bau-Projekte stehen noch vor dem Widmungsverfahren (Carrée Atzgersdorf oder Sargfabrik). Andere Projekte im Gebiet "Breite Furt" (rund 700 Wohneinheiten), im Areal "In der Wiesen Süd" oder wie das Urban-Gardening-Projekt "Ernte Laa" (190 Wohneinheiten) stehen vor Baubeginn. Damit sich bisherige wie künftige Bewohner der Stadtteile wohl fühlen, wird im Strategieplan auch auf die Schaffung von Grünflächen, Schulen und kulturellen Angeboten gepocht.

So gibt es, neben den bereits geplanten Kindergärten und Schulen, Bedarf an 85 zusätzlichen Volksschulklassen und 65 neuen Kindergartengruppen. Im Gebiet des Campingplatzes in Atzgersdorf könnte ein drei Hektar großer Park entstehen. Die Sargfabrik Atzgersdorf soll zum kulturellen Zentrum ausgebaut werden.

Begegnungszone in der City

Im ersten Wiener Bezirk wird weniger an Wohnbauprojekten als an neuen Mobilitätskonzepten gefeilt. So soll die Rotenturmstraße zwischen Stephans- und Schwedenplatz nach Plänen der Grünen zu einer Begegnungszone umgebaut werden. Als Tempolimit sind 20 km/h angedacht. Am Dienstagabend wurde das Konzept Anrainern vorgestellt. Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP) forderte zuletzt eine Begegnungszone für die gesamte Innere Stadt. (David Krutzler, DER STANDARD, 18.3.2015)

  • Konkret sieht der Strategieplan alleine in den Entwicklungsgebieten In der Wiesen und Atzgersdorf ein Wohnpotenzial für 27.000 neue Einwohner. Experten schätzen, dass dieses Potential in den kommenden fünfzehn Jahren ausgeschöpft werden könnte.
    foto: christian fischer

    Konkret sieht der Strategieplan alleine in den Entwicklungsgebieten In der Wiesen und Atzgersdorf ein Wohnpotenzial für 27.000 neue Einwohner. Experten schätzen, dass dieses Potential in den kommenden fünfzehn Jahren ausgeschöpft werden könnte.

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