Multimillionär Robert Durst unter Mordverdacht

Kopf des Tages18. März 2015, 05:30
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Der 71-jährige US-Immobilienmagnat hat offenbar versehentlich gestanden, Morde begangen zu haben

Dass er nicht schon längst im Gefängnis sitzt, erstaunt sogar Robert Durst selbst. Im Jahr 2003, als er wegen Mordes an seinem Nachbarn Morris Black angeklagt war, erreichten seine Staranwälte zu Dursts eigener Überraschung einen Freispruch. Sie konnten die Jury tatsächlich davon überzeugen, dass der am Asperger-Syndrom leidende Durst in Notwehr gehandelt hatte, als er Morris mit Sägen und einer Axt zerstückelte.

Nun steht dem 71-jährigen Immobilien-Mogul erneut ein Mordprozess bevor. Dabei wurde ihm ein glückliches Leben quasi in die Wiege gelegt. Sein Großvater immigrierte als verarmter jüdischer Schneider aus der österreichisch-ungarischen Monarchie in die USA. Dort gelangte Joseph Durst in der Immobilienbranche rasch zu Reichtum, den sein Sohn Seymour auf geschätzte vier Milliarden Dollar ausweitete. Dessen Nachkommen Robert und Douglas Durst waren dazu auserkoren, das Familienimperium fortzuführen. Doch die privaten Turbulenzen im Leben von Robert Durst, um es euphemistisch auszudrücken, sorgten dafür, dass sein jüngerer Bruder Douglas 1994 allein die Spitze der Durst Organization übernahm. Dies führte zu einem Bruch zwischen Robert und seiner Familie.

Besagte Turbulenzen begannen im Jahr 1982, als Robert Dursts Ehefrau Kathie McCormack verschwand. Freunden soll sie zuvor gebeichtet haben, dass ihr Mann sie physisch misshandle. Der Verdacht, der folglich auf ihren Mann fiel, konnte aber nie bestätigt werden. Auch der Versuch im Jahr 2000, den Fall neu aufzurollen, nahm ein jähes Ende. Kurz bevor Ermittler mit Susan Berman reden konnten, einer langjährigen Vertrauten Dursts, fand man sie erschossen in ihrer Wohnung in Kalifornien auf. Beweise für seine Beteiligung konnten auch hier nicht gefunden werden.

Nun könnte sich Durst selbst verraten haben. Nach einem Interview für eine HBO-Doku murmelte er ins immer noch eingeschaltete Mikrofon, er habe "sie alle getötet". In Kalifornien wird ihm der Prozess gemacht, bei einem Schuldspruch droht ihm die Todesstrafe. Douglas Durst zeigte sich nach der Festnahme seines Bruders erleichtert. Er hoffe, dass Robert endlich für all seine Taten zur Rechenschaft gezogen werde. Bereits 2012 und 2013 erwirkten seine Verwandten einstweilige Verfügungen gegen ihn. Sie hätten Angst vor ihm, gaben sie an.

Durst hat im Jahr 2000 übrigens wieder geheiratet. Seine zweite Ehefrau lebt immer noch. (Kim Son Hoang, DER STANDARD, 18.3.2015)

  • Multimillionär Robert Durst dürfte sich selbst verraten haben.
    foto: ap

    Multimillionär Robert Durst dürfte sich selbst verraten haben.

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