Gerald Votava: Ich schätze auch den Trainingsanzug

Ansichtssache22. März 2015, 09:00
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Das einfache Kleid zur Premiere, die Leidenschaft fürs Bügeln, ein Begierdeobjekt namens Overall oder 14 Paar Maßschuhe - vier Zeitgenossen über ihre modischen Vorlieben

foto: christian benesch

Jasna Fritzi Bauer: "Schrille Signalfarben gehen gar nicht"

Wenn es um Kleidung geht, bin ich im Alltag eher der gemütliche Typ, also Turnschuhe, Jeans und Sweater. Das dürfte mit meinem Beruf zusammenhängen, da ich als Schauspielerin mitunter 15-mal aus Kleidern rein und raus muss. Kostümproben sind oft langwierig und anstrengend. Es ist aber auch sehr schön zu sehen, wie so ein Kostüm entsteht, schließlich ist es ein wichtiger Teil einer Rolle und wird nur für mich gemacht. Besonders gern habe ich das große, rote, barock wirkende Kleid in Dantons Tod.

Auch wenn ich sonst eher der bequeme Typ bin, heißt das nicht, dass ich mich im Rahmen einer Veranstaltung nicht auch gern mal herausputze und herrichte. Ich denke da zum Beispiel an eine Premiere. Ein schönes Kleid ist für mich schlicht und schwarz, auch wenn ich auf dem Foto ein weißes trage. Ich glaub, das ist von Zara. Es ist ein bisschen kastenförmig, ohne viele Schnörkel, einfach und doch elegant. Schrille Signalfarben gehen gar nicht, da heißt’s bei mir Augenkrebsalarm.

Ausgiebiges Shoppen

Wenn ich Lust auf Shoppen hab, dann mach ich das wirklich gerne und ausgiebig und lang, am besten mit einer Freundin gemeinsam. Es kommt aber auch vor, dass ich mal schnell was im Internet bestelle. Natürlich passt das nicht immer, und ich muss zugeben, dass ich meistens zu faul bin, es zurückzuschicken, obwohl ich es mir immer wieder vornehme.

Seit ein paar Jahren interessiere ich mich medial mehr für Mode, schau mir zum Beispiel gern an, wie schöne Menschen Kleidung vorführen, besonders mag ich diese "Behind the scenes"-Filmchen von Modeproduktionen, in denen so kleine Geschichten erzählt werden."

Jasna Fritzi Bauer ist Schauspielerin und derzeit in verschiedenen Rollen am Wiener Burgtheater zu sehen. Im Kino sah man sie unter anderem im Film "Ein Tick anders".

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foto: christian benesch

Gerald Votava: "Ich schätze auch den Trainingsanzug"

Auf dem Foto trage ich ein Hemd von ... jetzt fällt mir der Name nicht ein. Ich hab ein paar von diesen Hemden. Die Schuhe sind von Tricker’s, einer englischen Schuhmanufaktur, die seit bald 200 Jahren in fünfter Generation klassisches Schuhwerk herstellt. Gekauft habe ich sie allerdings in Wien, weil ich Schuhe vor dem Kauf gerne probiere. In der Hose finde ich kein Label, aber egal, anhand von Schuhen lässt sich am besten erklären, was mir in Sachen Mode am wichtigsten ist: Ich kaufe Schuhe, die ich viele Jahre tragen kann. Die kurzlebige Mode und Fashion-Shows find ich schon interessant, aber für mich käme es nicht infrage, jedes Jahr die Garderobe auszuwechseln. Außerdem bin ich jemand, der Schuhe putzt und Hemden bügelt. Wenn ein Kleidungsstück einen Riss hat, trage ich es zum Schneider, und wenn es Probleme mit einem Schuh gibt, kommt dieser zum Schuster. Ich schätze das Handwerk.

Funktional

Zu modisch zu sein ist das meine nicht. Ich würde meinen Stil je nach Anforderung als sehr funktional beschreiben. Anzüge habe ich verschiedene, einen von Canali, einen Santori, dann noch Aigner und Bäumler ... so in die Richtung, also eh ganz normal. Dreiteiler mag ich sehr gerne, auch wenn diese immer seltener zu finden sind. Auf Anzüge greife ich zumeist aus beruflichen Gründen zurück, ich fühle mich darin wohl.

Ich schätze aber auch den Trainingsanzug als solchen. Ein legendäres Exemplar in Rot – wie er später im Film The Royal Tenenbaums von Ben Stiller und den beiden Kindern getragen wurde – war für mich als Zehnjähriger das Traumkleidungsstück. Vor allem in Zeiten, wenn ich Proben habe, trage ich diesen noch immer gern – heut zutage dezent in Schwarz. Womit ich mir in modischen Belangen immer schwergetan habe, waren die schrillen Leuchtstiftfarben der 80er, aber die sind schon eine ganze Weile Geschichte. Bühnenkostüme dürfen sehr gern glamourös, expressiv und schrill sein. Jetzt ist mir übrigens auch die Marke des Hemdes eingefallen, es ist von Jacques Britt. Ist das wichtig?"

Gerald Votava ist Schauspieler, Musiker, Autor und Kabarettist. Am 30. März ist er mit seinem Programm "Narzissmus und Tiere" im Wiener Stadtsaal zu sehen.

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Alice Tumler: "Schwarz gehe ich nach Möglichkeit aus dem Weg"

Ich habe ein totales Faible für Overalls, Jeans-Over alls, solche aus Wolle, ganz egal. Ein Over all ist bequem und sexy zugleich. Man kann ihn auf viele Arten tragen, je nach Lust, Laune und Uhrzeit, mal mit Sneakers dann wieder mit High Heels. Für Sommerkleider schwärme ich auch. An einem schönen Overall oder Sommerkleid komme ich nur ganz schwer vorbei. Das Stück, das ich auf dem Foto trage, stammt von der französischen Marke Ba&sh, die ich ganz besonders gern mag. Die haben sehr schöne, farbige Sachen aus feinen Materialien, die toll geschnitten sind. Von denen bin ich definitiv ein Fan.

Ich würde aber nicht sagen, dass man in meinem Fall von einem festgelegten Stil sprechen kann. Mir ist es wichtig, dass Schuhe, ein Kleidungs- oder Schmuckstück eine Geschichte erzählen. Ich kaufe gern im Ausland ein, auf diese Art bringe ich auch immer eine Erinnerung an meine Reisen mit. Einige Stücke in meinem Kleiderkasten stammen zum Beispiel aus Südamerika, wo ich privat unterwegs war, aber im Jahre 2010 auch Reisedokus gedreht habe. Ich mag die feminine Mode, die dort getragen wird.

Prinzessin spielen

Was meinen Beruf betrifft, gibt es vor Auftritten Kleideranproben. Das bedeutet aber nicht, dass man etwas vorgesetzt bekommt und nicht mitsprechen darf. Es werden Vorschläge gemacht, und wir einigen uns eigentlich immer. Da gibt’s keine Probleme.

Beruflich sieht man mich auch öfter in Designer-Kleidern, denn im Privatleben gibt es nicht oft die Gelegenheit, große Roben zu tragen. Für mich ist das immer noch wie für ein kleines Mädchen, das Prinzessin spielt. Ich mag das. Und noch etwas: Der Farbe Schwarz gehe ich nach Möglichkeit aus dem Weg."

Alice Tumler ist TV-Moderatorin (u. a. ORF, Arte) und wird mit Mirjam Weichselbraun und Arabella Kiesbauer den diesjährigen Eurovision Song Contest präsentieren.

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Heimo Zobernig: "Ich liebe Sport-Funktionskleidung"

Was die Art, sich zu kleiden, betrifft, möchte ich die lebhaften Diskussionen mit meiner Frau erwähnen. Nein, im Ernst: Ich interessiere mich sehr für Mode und schau mir die aktuellen Entwicklungen an, sei es auf Modeschauen oder in den Medien. Mode interessiert mich als Künstler, denn sie ist ein wunderbarer Bereich der Gestaltung. An ihr lässt sich sehr viel vom aktuellen Zeitgeist ablesen, und ich denke, dass Mode in gewissen Bereichen eine Kunstform ist.

In jungen Jahren hab ich in Sachen eigener Kleidung zunächst herumexperimentiert, da gab es auch peinliches, worauf ich hier jetzt nicht un bedingt eingehen muss. Später trug ich während vieler Jahre Maßanzüge, die ich allesamt für die 20-Jahr-Ausstellung der Galerie Nagel in Berlin 2010 von Jakob Lena Knebl und Markus Hausleitner für eine Modeschau umschneidern ließ. Diese wurden dann auf dem Laufsteg von Freunden aus der Kunstszene gezeigt. All diese Anzüge habe ich aufgegeben, weil ich einen Anzug von der Stange gefunden hab. Der hat mir gut gepasst, also habe ich alle, die da in dunklen Farbtönen hingen, gekauft. Ein solcher ist auch auf dem Foto zu sehen.

Maßschuhe & Jeans

Beim Arbeiten trage ich Jeans und blaue Arbeitsjacken. Die stammen zum Teil auch vom Schneider, wegen meiner Größe und meiner Armlängen. Was mein Schuhwerk betrifft, gibt’s da diese Geschichte von der Hochzeit des Künstlers Martin Kippenberger. Auf dieser führte ich mit dem Künstler – und damals auch Kurator im Forum Stadtpark Graz – Jörg Schlick und dem Künstler Walter Pichler eine launige Unterhaltung über Schuhe. Daraus entstand eine Ausstellung mit 14 Paar Maßschuhen und einem Text. Die Schuhe hab ich mehr als zehn Jahre getragen, ehe sie ein Sammler gekauft hat.

Aus dem Erlös hab ich mir dann eine neue Generation machen lassen, wieder 14 Paare. Die trage ich zu den Anzügen. Ach, da wäre noch etwas: Ich liebe Sportfunktionskleidung, auch diesbezüglich bin ich gern auf dem Laufenden. Die modernen Technologien und die raffinierte Verarbeitung faszinieren mich, die Farben ebenso."

Heimo Zobernig ist einer der bedeutendsten, österreichischen Künstler und wird heuer den Österreich-Pavillon bei der Kunstbiennale von Venedig gestalten.

(Michael Hausenblas, Rondo exklusiv, DER STANDARD, 18.3.2015)

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