Mehr Studenten, aber weniger Stipendien an Österreichs Hochschulen

17. März 2015, 12:50
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Wegen fehlender Anpassung der Berechnungsgrenzen - Lohnerhöhungen killen Anspruch

Wien - Trotz stark steigender Studentenzahlen sinkt die Zahl der Stipendienbezieher an den Hochschulen. Diesen Vergleich zieht die Referentin für Hochschulpolitik in der Arbeiterkammer (AK), Martha Eckl, mit ihrem Mitarbeiter Andreas Kastner in einem Blogbeitrag. Grund ist vor allem die fehlende Anpassung der Berechnungs- und Bezugskriterien.

Die Zahl der Studenten an Universitäten und Fachhochschulen (FH) ist demnach zwischen 2008/09 und 2013/2014 um rund 23 Prozent gestiegen (von rund 257.000 auf 317.000), während die Zahl der Stipendienbezieher um 13 Prozent gesunken ist (von 46.500 auf 40.300). Das betreffe vor allem die klassische Studienbeihilfe, für die unter anderem das Einkommen der Eltern relevant ist.

Berechnungsgrenzen nicht angehoben

Das bedeute aber nicht, dass sich die soziale Lage der Studenten sukzessive verbessert habe, so die Autoren. Vielmehr hätten etwa steigende Elterneinkommen aufgrund von kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen vielfach den Beihilfenanspruch erlöschen lassen bzw. verringert. Bei der letzten nennenswerten Stipendienerhöhung 2007 seien nur die Auszahlungsbeträge um zwölf Prozent erhöht worden - die Berechnungsgrenzen für einen Stipendienanspruch seien seit 1999 unangetastet geblieben. Für einen Ausgleich der Geldentwertung müssten diese um 35 Prozent angehoben werden.

Selbst wer Studienbeihilfe bekomme, müsse aufgrund der nicht angehobenen Berechnungsgrenzen mit einer geringeren Stipendienhöhe auskommen. Als "Ausgleich" bleibe oft nur eine erhöhte Berufstätigkeit, die jedoch zu einem mangelnden Studienerfolg und damit zu einem völligen Beihilfenverlust führen könne, schreiben Eckl und Kastner. Die letzte Novelle des Studienbeihilfegesetzes 2014 habe zwar einige positive Änderungen wie eine Erhöhung der Zuverdienstgrenzen oder die Anhebung der Altersgrenzen für Studierende mit Kindern gebracht - das seien aber nur "Mini-Reformen".

Studienförderung "löchrig"

Insgesamt sei die Studienförderung über die Jahre "löchrig" geworden. Als konkrete Maßnahmen verweisen sie auf die von einer Arbeitsgruppe der Hochschulkonferenz erarbeiteten Vorschläge wie etwa eine Anhebung der Stipendienhöhe und des Einkommensberechnungsschemas entsprechend der Lohn- und Preisentwicklung sowie die Anhebung der Altersgrenze auf zumindest 40 Jahre bei Studienbeginn für Selbsterhalter. Der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) fordert in einer Aussendung eine völlige Abschaffung der Altersgrenzen sowie eine "echte, wirkungsvolle Anhebung der Beihilfenhöhe". (APA, 17.3.2015)

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