Erreicht Artenvielfalt ein kritisches Niveau, entstehen vor allem Spezialisten

17. März 2015, 15:11
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Untersuchung untermauert Bedeutung ökologischer Wechselwirkungen als Motor biologischer Diversität in den Ozeanen

Berlin - Die Artenvielfalt der Ozeane war in den vergangenen 500 Millionen Jahren erheblichen Schwankungen unterworfen. Untersuchungen an den erhaltenen Fossilien zeigen zudem, dass es eine Art Obergrenze der Biodiversität gibt. Paläontologen des Museums für Naturkunde Berlin konnten nun anhand fossiler, wirbelloser Meerestiere zeigen, dass vorrangig hochspezialisierte Arten entstehen, wenn sich das Leben im Meer diesem kritischen Diversitätsniveau nähert. Die Untersuchung untermauert die Bedeutung ökologischer Wechselwirkungen als Motor der biologischen Vielfalt in den Ozeanen.

Die von Sabine Nürnberg und Martin Aberhan, Museum für Naturkunde Berlin, in der Fachzeitschrift "Nature Communications" publizierten Ergebnisse zeigen einen engen und global bestehenden Zusammenhang zwischen der biologischen Vielfalt und dem Grad der Spezialisierung der Fauna. Die Forscher untersuchten anhand eines umfangreichen Datensatzes zur Verbreitung fossiler Muscheln, Schnecken, Korallen und vieler weiterer Meeresbewohner, auf welche Lebensräume sich die im Lauf der Erdgeschichte neu entstehenden Arten jeweils spezialisierten.

"Manche Arten bewohnten ausschließlich den sandigen Meeresboden im Flachwasser, andere bevorzugten schlammige Bereiche in größeren Wassertiefen, während sich sogenannte Generalisten in unterschiedlichen Biotopen heimisch fühlten", erläutert Aberhan. Die neuen Untersuchungen zeigen, dass zeitliche Zu- und Abnahmen der Biodiversität vor allem durch Veränderungen in der Zahl der neu entstehenden Spezialisten, nicht jedoch der Generalisten, zustande kamen.

Wenn Nischen aufgeteilt werden

Dabei fällt auf, dass besonders dann bevorzugt spezialisierte Arten entstanden, wenn auch die bestehende biologische Vielfalt hoch war. Verantwortlich für dieses Phänomen ist vermutlich die Diversität selbst. So scheint es, dass beim Erreichen eines kritischen Diversitätsniveaus ein weiterer Diversitätsanstieg nur durch die voranschreitende Aufteilung ökologischer Nischen – und somit der Entstehung spezialisierter Arten – möglich ist.

"Wir vermuten, dass sich diese Rückkopplung zwischen der Biodiversität und der Aufteilung ökologischer Nischen fortsetzt bis beispielsweise Umweltveränderungen zum Artensterben und somit einem Verlust der Diversität führen", so Nürnberg. Die neue Studie zeigt, wie wichtig biotische Faktoren – wie beispielsweise die Konkurrenz verschiedener Organismen um beschränkte Ressourcen – für die Artenvielfalt in den Meeren sind. (red, derStandard.at, 17.3.2015)

  • Anhand der Untersuchung der Verbreitung fossiler Muscheln, Schnecken und anderer wirbelloser Meeresbewohner zeigte sich: Erreicht die Biodiversität ein gewisses Ausmaß, entstehen vor allem Spezialisten.
    foto: apa/epa/mike nelson

    Anhand der Untersuchung der Verbreitung fossiler Muscheln, Schnecken und anderer wirbelloser Meeresbewohner zeigte sich: Erreicht die Biodiversität ein gewisses Ausmaß, entstehen vor allem Spezialisten.

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