Böhm: Hätten Libro geschenkt bekommen

17. März 2015, 11:14
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Banken bezeichneten den Libro-Übernahmeversuch von Böhm im Jahr 2001 als "Kriegserklärung"

Wien - Einen Einblick in die Großpleite des Papierwarenhändlers Libro im Jahr 2001 gab heute, Dienstag, der Hauptangeklagte im YLine-Betrugsprozess, Werner Böhm. Man hätte Libro geschenkt bekommen, Geld hätte man nur für die Sanierung gebraucht, so Böhm auf die Frage von Richterin Marion Hohenecker, ob er und sein damaliger Partner überhaupt genug Liquidität für den Librokauf hatten.

Böhm präzisierte, er habe das Geld für die Sanierung zwar nicht physisch gehabt, aber es gab dafür Zusagen von Investoren und Fonds, unter anderem habe auch einer der Mitangeklagten Interesse gehabt, sagte Böhm aus - was wiederum bei dem Angesprochenen für heftiges Kopfschütteln sorgte. Letztendlich habe aber das grüne Licht der involvierten Banken für den Deal gefehlt.

Archiv

Ein Blick ins Archiv vom Sommer 2001 zeigt, dass das Kaufangebot von Böhm und seinem damaligen Partner für die strudelnde Libro bei den Banken als Miteigentümer der damaligen Libro-Eigner für Empörung sorgte. Die Banker sprachen von einer "Kriegserklärung". Verkäufer der Libro waren die Eigentümer der Unternehmens Invest AG (UIAG), DBAG und die Telekom Austria. An der Unternehmens Invest AG waren wiederum die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und die CA beteiligt.

Letztendlich ging die Libro-Gruppe ("Libro", "Amadeus", "lion.cc") am 27. Juni 2001 in Ausgleich, mehr als 3.000 Mitarbeiter waren betroffen. Die börsenotierte Buch- und Medienhandelsgruppe war allein bei Banken und Lieferanten mit mehr als 3 Mrd. Schilling verschuldet.

Beim heutigen Verhandlungstag im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichtes musste der Hauptangeklagte Böhm auch zu dem Kauf des Online-Erotikanbieters WebLine Auskunft geben. Er hatte damals große Hoffnungen in das Erotikportal, da das Thema voll im Trend lag. Die Firma gebe es ja unter den alten Eigentümern noch immer und sie habe bis dato Millionengewinne gemacht.

Allerdings hätten seine damaligen Geschäftspartner nach der Übernahme von WebLine durch YLine eine Parallelstruktur aufgebaut und sich nur mehr um diese Schiene gekümmert. Auf das sei er auch erst durch den jetzigen Prozess darauf gekommen. "Das war damals eine Linke", so Böhm zur Richterin. (APA, 17.3.2015)

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