YLine: Prozess geht 14 Jahre nach der Insolvenz weiter

17. März 2015, 09:54
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Betrugsprozess mehr auf Akten als auf Erinnerungen angewiesen

Im Wiener Straflandesgericht wird heute, Dienstag, der Betrugsprozess in der seit 14 Jahren anhängigen Causa YLine fortgesetzt. Der einstige Internetstar Yline, dessen Tochterunternehmen FirstInEx die umstrittene "New Economy"-Homepage des ehemaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte, ging 2001 in Insolvenz.

Auf der Anklagebank im Wiener Straflandesgericht sitzen der Firmengründer Werner Böhm, ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner sowie eine Wirtschaftsprüferin. Der Vorwurf lautet auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung. Laut Anklagebehörde soll die Zahlungsunfähigkeit schon Monate vor der Insolvenz gegeben gewesen sein. Alle Angeklagten beteuern hingegen ihre Unschuld.

Böhm vs. IBM

Eine zentrale Rolle spielt der Computerkonzern IBM. Dieser hatte für eine Promotion-Aktion tausende PC für den Internetanbieter YLine zur Verfügung gestellt - und sich laut Böhm dann aus der Verantwortung gestohlen was letztendlich zur Insolvenz geführt habe. Dies bestreitet IBM.

In den bisherigen Verhandlungstagen ging es unter anderem um die Wertigkeit der Erotik-Plattform WebLine, einer YLine-Tochter. Laut Gutachter Alexander Stefan war diese massiv überbewertet. Die dort beschäftigten "Künstlerinnen" hätten zum Teil kein Geld gesehen.

Richterin Marion Hohenecker startet in den heutigen Verhandlungstag mit einer Zeugenbefragung. Nachdem bereits einige Beschuldigte ausgeschieden wurden, haben sich auf der Anklagebank acht Beschuldigte eingefunden. Wie schon in den Verhandlungen davor hatte auch dieser Zeuge Probleme, sich nach über einem Jahrzehnt an Details zu erinnern. Hohenecker versuchte einmal mehr, mit Hilfe früherer Aussagen bei Vernehmungen das Langzeitgedächtnis des Zeugen wieder aufzufrischen. (APA, 17.03.2015)

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