Mödlinger Schule verbot Fremdsprachgebrauch abseits des Unterrichts

16. März 2015, 20:14
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Schulbetreiber: "Etwas über das Ziel hinausgeschossen" – Anlass war interkultureller Konflikt – Benachrichtigung der Schulleitung kursiert im Internet

Mödling/Wien – An der Vienna Business School HAK/HAS Mödling (VBS) soll laut einer in sozialen Medien kursierenden Benachrichtigung der Direktion im gesamten Schulhaus lediglich Deutsch gesprochen werden. Als Anlassfall wird in dem Aushang ein interkultureller Konflikt mit dem Reinigungspersonal angegeben. Der Schulbetreiber bestätigte die Echtheit dieses "missverständliche" Schreiben am Montag.

Die Weisung sei seitens der Schulleitung "nicht sehr glücklich formuliert" worden, so Martin Göbel, Geschäftsführer des Fonds der Wiener Kaufmannschaft, der die insgesamt sechs VBS in Wien und Niederösterreich betreibt. Man habe dabei "etwas über das Ziel hinausgeschossen".

In dem Schreiben heißt es, dass in Unterhaltungen im Schulgebäude lediglich die "Amtssprache Deutsch" gesprochen werden darf. Das gelte auch für die Pausen. Ausgenommen ist demnach lediglich der Einsatz der in der Schule angebotenen lebenden Fremdsprachen Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch im Unterricht.

Telefongespräche in eigenen Bereichen

Kann ein Schüler beispielsweise mit seinen Eltern nur in einer anderen Sprache kommunizieren, "können diese Telefongespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten", so die Benachrichtigung der Schulleitung, die am Montagnachmittag für die APA sowie derStandard.at nicht erreichbar war.

Streit zwischen Schüler in Reinigungskraft

Im "Kurier" erklärte die Schulleiterin, dass der Hintergrund des Schreibens ein "interkultureller Konflikt" zwischen einem albanischen Schüler und einer mazedonischen Reinigungskraft gewesen sei. Sie habe sich zu dem Schritt entschlossen, weil die beiden einander in der jeweiligen Muttersprache beschimpft haben sollen und der Streit letztlich auf eine türkischstämmige Schülerin übergegriffen habe.

Das Schreiben würde aber kein "striktes Verbot" für andere Sprachen als Deutsch bedeuten, sondern diene zur Konfliktvermeidung und der "Einhaltung der Höflichkeit". Niemand müsse mit disziplinären Konsequenzen rechnen, wenn er oder sie etwa türkisch auf dem Gang oder am Telefon spreche.

"Sprachgewirr"

Auch Schulbetreiber Göbel erklärte, dass es bei der Weisung nicht um ein Verbot gehe, sondern in erster Linie um Sensibilisierung dahingehend, dass es im "Sprachgewirr" zu Missverständnissen kommen könne. Schüler könnten selbstverständlich weiter untereinander sprechen, wie sie wollen, das kulturelle Miteinander an den Schulen funktioniere hervorragend, so der Schulbetreiber.

Die Wiener FPÖ nahm den Konflikt zum Anlass, um auf ihre Forderung nach Deutsch als Schulsprache aufmerksam zu machen. "Die Kinder und Jugendlichen sollen sich natürlich miteinander unterhalten. Das geht aber nur, wenn die Sprache einheitlich ist", sagte der Landtagsabgeordnete und Bildungssprecher Dominik Nepp in einer Aussendung am Dienstag.

ÖH: Pädagogisches Armutszeugnis

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht die Entscheidung der Schulleitung als sprachliche Diskriminierung und als ein "bildungspolitisches und pädagogisches Armutszeugnis". "Sprachliche Vielfalt hat einen Mehrwert für die Gesellschaft und sollte auch so gelebt werden", sagt der stellvertretende ÖH-Vorsitzende Bernhard Lahner in einer Aussendung. "Gerade weil sich an Schulen gesellschaftliche Verhältnisse und damit auch ihre Probleme widerspiegeln, ist es wichtig, dass sich Schulen gegen Rassismus jeglicher Art einsetzen."

Jurist zweifelt an Zulässigkeit

Verfassungsjurist Bernhard Funk bezweifelte in der "Presse", dass ein Verbot anderer Sprachen an der Schule zulässig ist. "Es ist sicher zulässig zu verlangen, dass im Schulunterricht die deutsche Sprache verwendet wird", sagt Funk. "Ein darüber hinausgehendes Verbot anderer Sprachen scheint mir ein Eingriff, der vom Schulrecht nicht gedeckt ist. Das greift in die Privatsphäre der Schüler ein." (APA/red, derStandard.at, 16.3.2015)

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