Kiew über Krim-Doku empört

16. März 2015, 18:07
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Kreml: Putin trat erstmals seit zehn Tagen wieder auf

Wladimir Putin ist am Leben. Anderslautende Gerüchte fanden ein jähes Ende, als der Kremlchef am Montag seinen ersten öffentlichen Auftritt seit zehn Tagen absolvierte. Etwas blass sei er gewesen, sagen Kenner, als er im Konstantinpalast mit dem kirgisischen Staatspräsidenten Almasbek Atambajew vor die Presse trat. Sonst war er wieder ganz der Alte. Es wäre doch langweilig, wenn es keinen Tratsch gäbe, kommentierte er die bunten Gerüchte um den Grund seiner Abwesenheit.

Dass zumindest die PR-Abteilung des Kreml weiter ohne Abstriche arbeitet, bewies schon am Vorabend die Dokumentation "Krim. Rückkehr in die Heimat", die nach der Veröffentlichung von Ausschnitten in der Vorwoche nun vollständig im russischen Staats-TV ausgestrahlt wurde.

Es ist ein Film darüber, wie Russlands Präsident Wladimir Putin die Geschehnisse rund um die Annexion der Krim dargestellt wissen will. Männer wie Alexej Grebnew sind seine Protagonisten. Er sei Ende Februar 2014 im Bus nach Simferopol gesessen, sagt der Mann, als das Fahrzeug plötzlich von einer Gruppe Bewaffneter angehalten wurde. "Den Fahrer haben sie sofort erschossen und uns gezwungen, ukrainisch zu sprechen", erzählt er. Die Botschaft ist klar: Russland habe eingreifen müssen, um die Bevölkerung der Krim zu schützen."

Auch Putin selbst interpretiert die Vorgänge im Interview: Nicht nur Menschen seien in Lebensgefahr geschwebt, auch staatliche Gebäude und die Versorgung mit Trinkwasser wären in "größter Gefahr gewesen".

"Atomwaffen waren bereit"

Er zählt auch auf, welche Waffen er auf der Krim zum Einsatz gebracht hätte, falls es zu einem Militärschlag gekommen wäre: "Unsere Atomwaffen waren bereit." Das sei der Nato nicht verborgen geblieben, weil die "Formation aus dem All sichtbar war". Die Schuld sieht Putin aber bei den USA. Diese hätten zum Maidan und zur Ausbildung "rechtsradikaler, paramilitärischer Gruppen" entscheidend beigetragen.

Die Reaktionen aus Kiew fallen eindeutig aus: Premier Arsenij Jazenjuk verurteilte die Doku und sprach von Propaganda. Putin habe Verantwortung für den Anschluss der Krim übergenommen. Weil dieser gegen das Völkerrecht verstoßen habe, gehöre der Kreml-Chef vor das Weltgericht in Den Haag. Der Exchefredakteur der Online-Zeitung Black-Sea-News, Andrej Klimenko, sagte, mit der Annexion seien Eckpfeiler der europäischen Nachkriegsordnung verschoben worden. (Nina Jeglinski aus Kiew, DER STANDARD, 17.3.2015)

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