Fledermäuse sind extrem reaktionsschnelle Jäger

23. März 2015, 07:00
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Forscher untersuchten Echoortungssignale der fliegenden Säuger kurz vor dem Beutefang

München - Sie schnappen sich ihre Beute regelrecht im Bruchteil eines Augenblicks: Fledermäuse können kurz vor dem Beutefang Echoortungssignale wesentlich schneller umsetzen als der Mensch schauen kann. Das haben Neurobiologen der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität in einer Studie herausgefunden, die aktuell im Fachblatt "PNAS" veröffentlicht wurde.

Dass Fledermäuse - wie Wale - in der Endphase der Jagd extrem schnell Ultraschallsignale senden, war bereits bekannt. "Bisher war aber nicht klar, warum die Tiere das machen", sagte der Neurobiologe Lutz Wiegrebe. Über die extrem schnelle Echoabfolge werden Insekten sogar im Zickzackflug registriert - es schien bisher aber kaum vorstellbar, dass die Fledermaus diese Informationen noch auswerten und entsprechend reagieren kann.

Reaktion in 50 bis 100 Millisekunden

"Man dachte, die Tiere würden die Informationen nicht mehr in Verhaltensreaktion umsetzen können", so Wiegrebe. "Wir konnten nun aber zeigen, dass das tatsächlich der Fall ist und sie sehr kurze Reaktionszeiten haben." Diese lägen bei 50 bis 100 Millisekunden und sei damit schneller als die Pupillenbewegung beim Menschen (Reaktionszeiten zwischen 200 und 300 Millisekunden).

Die Forscher filmten Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii), die ihre Beute von der Wasseroberfläche oder aus der Luft schnappen, beim Beutefang mit Hochgeschwindigkeitskameras. Dazu wurden Köder an speziellen Vorrichtungen angebracht und deren Position automatisch verändert, sobald eine Fledermaus zuschnappen wollte. Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Tiere bis zum letzten Moment auf Positionsänderungen der Beutetiere reagieren - sei es mit einem verändertem Angriffsmanöver oder dem Abbruch des Jagdversuchs.

Kalkulierende Säuger

Die Forscher vermuten, dass auch Wale eine ähnlich schnelle Reaktion zeigen. Denn auch bei ihnen wurden extrem schnelle Ultraschallfolgen direkt vor dem Beutefang gemessen. "Die Experimente wurden bisher aber bei Walen nicht gemacht", so Wiegrebe. Nicht zuletzt ist an die Meeressäuger schwer herauszukommen - Pottwale jagen in bis zu 2.000 Metern Meerestiefe.

Nach einer früheren Studie in den "Proceedings" der britischen Royal Society besitzen manche Fledermäuse auch ein erstaunliches Kalkül bei der Jagd. Große Hufeisennasen (Rhinolophus ferrumequinum) verzichten demnach auf ein kleines Beutetier, wenn Aussichten auf ein größeres bestehen.

In einem Experiment der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen verhielten sich die Fledermäuse immer so, dass sie den Energiegewinn maximieren und gleichzeitig den eigenen Aufwand minimiert konnten. (APA/red, derStandard.at, 23.3.2015)

  • Die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) verdankt ihren deutschen Namen ihrem Jagdverhalten: Sie geht bevorzugt in geringem Abstand zu Wasseroberflächen auf Beutefang.
    foto: apa/wolfgang buchhorn

    Die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) verdankt ihren deutschen Namen ihrem Jagdverhalten: Sie geht bevorzugt in geringem Abstand zu Wasseroberflächen auf Beutefang.

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