Mega-Hochzeit in Zementbranche vor dem Aus

16. März 2015, 15:13
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Holcim will Preis und Management-Fragen aushandeln, Lafarge nur zu Preisverhandlungen bereit

Rapperswil-Jona/Paris - Der größte Zusammenschluss in der Geschichte der Zementbranche steht auf der Kippe. Der Schweizer Holcim-Konzern gibt dem Druck seiner Investoren nach und verlangt vom französischen Wunschpartner Lafarge die Neuverhandlung des Deals. Stimmen die Franzosen dem zu, wird aus der 40 Mrd. Euro schweren Fusion von gleich starken Partnern eine Übernahme von Lafarge.

Mit dem Vorpreschen riskiert Holcim aber, dass der Zusammenschluss platzt. Knackpunkt ist die eigentlich längst entschiedene Frage der Besetzung des Chefpostens. Die Anleger reagierten ungnädig. Die Aktien der beiden Konzerne kamen an der Börse unter Druck.

Uneinigkeit bei Posten-Besetzungen

Nach wochenlangen Spekulationen machte der Holcim-Verwaltungsrat um Präsident Wolfgang Reitzle klar: Die Fusion mit dem Erzrivalen Lafarge ist in der ausgehandelten Form kurz vor der Ziellinie gescheitert. Holcim will insbesondere beim Austauschverhältnis mehr herausholen und sperrt sich gegen die geplanten Besetzungen der Unternehmensspitze. Was das genau heißt, blieb zunächst offen. Holcim und Lafarge sind noch vor HeidelbergCement die weltgrößten Zementhersteller.

Eine mit der Situation vertraute Person nannte Einzelheiten. Bisher sei vorgesehen gewesen, dass die Lafarge-Eigner pro Titel eine Aktie von Holcim erhalten. Damit will sich Holcim nun nicht mehr zufriedengeben: Lafarge-Aktionäre sollen nur noch 0,875 Titel von Holcim erhalten. Lafarge will eigenen Angaben zufolge über das Austauschverhältnis mit sich reden lassen. Einem Insider zufolge gehen die Franzosen mit einem Angebot von 0,93 Prozent in die nächsten Verhandlungen. Der Insider bestätigte einen Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg".

"Königsmord"

Der größere Stolperstein für eine Einigung dürften aber Management-Fragen sein. Als Chef des neuen Unternehmens war bisher Bruno Lafont vorgesehen, der bei Lafarge seit 2007 sowohl Vorstandsvorsitzender als auf Aufsichtsratschef ist. Doch Holcim will dem Franzosen die Schlüsselposition nicht mehr anvertrauen. Einem Insider zufolge könnte dieser "Königsmord" die Transaktion komplett scheitern lassen. Lafarge hat Verhandlungen über andere Fragen als das Verhältnis des Aktientausches ausgeschlossen.

Ein Vertreter eines der zehn größten Holcim-Aktionäre hält nun sowohl ein Scheitern als auch einen Abschluss des Deals für möglich. Um genügend Holcim-Investoren hinter sich zu scharen, wäre seiner Ansicht nach eine stärkere Vertretung von Holcim im Aufsichtsrat des neuen Unternehmens nötig. Bisher ist geplant, dass beide Partner jeweils sieben Sitze bekommen sollen. Retten könnte den Deal womöglich eine Übernahme der Franzosen durch die Schweizer. Die französische Regierung setzt sich in der Regel jedoch stark dafür ein, dass heimische Großkonzerne möglichst nicht in ausländische Hände geraten.

Zustimmung der Wettbewerbshüter

Als die beiden Konzerne im April vergangenen Jahres ihre Fusionsabsichten bekannt gaben, applaudierten die Anleger. Auch die nächsten Schritte klappten. Beide Konzerne vereinbarten unter anderem, dem irischen Konkurrenten CRH Zementwerke und Anlagen im Wert von 6,5 Mrd. Euro zu verkaufen und sicherten sich damit die Zustimmung der Wettbewerbshüter.

Doch zuletzt waren mehr und mehr kritische Stimmen zu vernehmen, nachdem Lafarge einen schwächeren Jahresabschluss als Holcim vorgelegt hatte. Für die Investoren wurde zudem die starke Stellung von Lafarge in Afrika und im Nahen Osten zum Risiko angesichts der zahlreichen Krisen in diesen Regionen.

Lafarge-Aktien sackten am Montag um 5 Prozent ab, während Holcim-Papiere an der Börse ein Prozent einbüßten. Die Zukunft der Transaktion sei völlig offen, erklärte Bernstein-Analyst Phil Roseberg. Nicht nur die Verwaltungsräte müssten sich einigen, sondern auch die größten Aktionäre. An Holcim hält Thomas Schmidheiny von der Holcim-Gründerfamilie gut 20 Prozent, der Russe Filaret Galvhev gut 10 Prozent. Hinter Lafarge stehen der belgische Milliardär Albert Frere und der ägyptische Unternehmer Nassef Sawiris. (APA/Reuters, 16.3.2015)

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