Puschnigs "Trauermärsche"

16. März 2015, 14:56
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Der Altsaxofonist schlägt am Dienstag im Konzerthaus ein neues Kapitel seiner "Alpine Aspects" auf

Manche Projekte können zu so etwas wie Lebensbegleitern werden. 24 Jahre sind vergangen, seit Wolfgang Puschnig erstmals mit "Alpine Aspects" hervorgetreten ist. Damals wagte der Altsaxofonist das Unerhörte: Unter seiner Regie prallten zwei disparate Welten aufeinander. Hier tiefschwarzer, Soul- und Funk-geerdeter Jazz, verkörpert u. a. durch Bassist Jamaaladeen Tacuma und Sängerin Linda Sharrock; dort die Blasmusik der in zünftige Trachten gewandeten Amstettner Musikanten, dirigiert von Robert Pussecker. Das ergab wuchtige, satte Bläsersätze, harmonisch dissonant verdichtet und in immenser Farbenpracht blühend, die auch rhythmisch auf vertrackt groovende Geleise gelenkt wurden: Der pionierhafte Brückenschlag von "Alpine Aspects" gilt heute als eines der spektakulärsten Projekte der gesamten österreichischen Jazzgeschichte.

2006, im Jahr seines 50. Geburtstags, besann sich Puschnig noch einmal dieses Schlüsselwerks und Herzensthemas. Und erfüllte sich den langgehegten Wunsch, in der reaktivierten "Alpine Aspects"-Besetzung die Musik des hochverehrten Chef-Harmolodikers Ornette Coleman zu interpretieren.

Die 2008 erschienene CD Homage to O. C. war die Folge. Am Dienstag wird wiederum ein neues Kapitel in der "Alpine Aspects"-Geschichte aufgeschlagen. "Trauermärsche und mehr" nennt sich das neue Programm, das im Konzerthaus seine Premiere erlebt, dessen Musik indessen auch lyrische, nachdenkliche Töne anschlägt. Und erneut den Brückenschlag zwischen lokaler Tradition und großer weiter Welt versucht, der längst zum musikalischen Leitmotiv Wolfgang Puschnigs geworden ist. (felb, DER STANDARD, 17.3.2015)

17.3., Konzerthaus, 01/24 20 02, 19.30

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