Kritik: Google spült Firmen-PR in seine News

16. März 2015, 14:33
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Kritiker sehen darin eine Vermischung von Nachrichten und Werbung

Google sorgt mit einer kleinen Regeländerung in seinem Suchdienst Google News für Kritik bei Medien und Journalisten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erscheinen nach Suchanfragen via Google News nicht mehr nur Links zu redaktionellen Nachrichten, sondern auch Presse- und PR-Aussendungen von Unternehmen. Kritiker sehen darin eine Vermischung von Nachrichten und Werbung. Laut einer Google-Sprecherin gibt es das neue Angebot bereits seit September vergangenen Jahres. Im Fall des SIM-Karten-Herstellers Gemalto, der wegen eines Hackerangriffs in die Schlagzeilen geraten war, lieferte Google News etwa als ersten Treffer eine Unternehmensmitteilung, in der Gemalto die Attacke als völlig harmlos dargestellt hatte. Und bei der jüngsten Vorstellung der Apple-Watch verlinkte Google zu einem Werbe-Link für die Apple-Uhr.

"Spiegel"-Online-Chefredakteur Florian Harms bezeichnete das Vorgehen Googles auf Twitter als "Dammbruch". Bei Nutzern von Google News könne der Eindruck entstehen, es handle sich um unabhängig recherchierte Nachrichten, statt einseitiger im Firmensinne formulierter Information, so die Kritik. Jens Rehländer, Journalist und Kommunikationsleiter der Volkswagenstiftung, warnte in einem Blog ebenfalls vor tief greifenden Konsequenzen für den Journalismus: Nachrichtenseiten würden künftig seltener verlinkt, Unternehmen beeinflussten die Nachrichtenlage im Netz und für User würden Nachrichten und PR eins. Google interessiere sich nicht für Journalismus und wolle Google News offenbar zu einem weiteren Erlösfeld machen, monierte Rehländer.

Google wies die Kritik an der Umgehung journalistischer Inhalte indes zurück. Ziel der Suche sei es, in möglichst kurzer Zeit möglichst treffende Antworten auf User-Anfragen zu liefern. Das Ergebnis könnten Artikel einer großen Nachrichtenredaktion, eines kleinen Nischenanbieters oder eben die Pressemitteilung eines Unternehmens sein. Geld erhalte man von den Unternehmen nicht, betonte Google. (APA, 16.3.2015)

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