Forscher identifizieren Gen, das Gewebe straff hält

21. März 2015, 18:00
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Mutation des YAP-Gens verringert die Gewebespannung und führt zu Deformationen

Wien - Ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung entdeckte ein Gen, das offenbar für die Straffheit von Gewebe verantwortlich ist. Bei Fischen und menschlichen Zellverbänden mit einem Defekt in diesem Gen gibt das Gewebe der Schwerkraft nach, wird abgeflacht und deformiert, heißt es in einer aktuell in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten Studie.

Die Wissenschafter hatten Fischembryos entdeckt, deren Körper ausgesprochen abgeflacht waren und fortschreitend kollabierten. Als Ursache fanden sie eine Genveränderung im sogenannten YAP-Gen. Von diesem wusste man bereits, dass es Vorlage für einen Signalstoff ist, der die Größe von Organen regelt.

In diesem Fall beeinflusst YAP aber offenbar, dass die notwendige Gewebespannung aufrechterhalten wird, so die Forscher. Daran sei ein Netzwerk von Aktin und Myosin beteiligt. Diese beiden Eiweißstoffe sind unter anderem auch für die Muskelbewegung entscheidend.

Gravierende Folgen

Je nachdem, wie die Forscher Fischembryos mit einem YAP-Gendefekt platzierten, kollabierte ihr Gewebe jeweils in Richtung der Erdanziehungskraft, erklärte Carl-Philipp Heisenberg vom Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg. Die Abflachung resultiere aus der Unfähigkeit des Gewebes, Kräften von außen zu widerstehen.

Den gleichen Effekt sahen die Forscher auch bei im Labor kultivierten menschlichen Stammzellen, die einen runden Zellverband bilden. Auch sie wurden durch äußere Krafteinwirkungen abgeflacht.

Das Gewebe war bei YAP-defekten Fischen aber nicht nur flacher, sondern die einzelnen Körperstrukturen auch nicht korrekt angeordnet. So fanden die Forscher die Linsen etwa außerhalb der Augen. Eine von der YAP-Funktion abhängige Gewebespannung könne daher bei der Selbstorganisation von verschiedenen Geweben wichtig sein, was etwa beim Herstellen von komplexen Organen aus Stammzellen zu berücksichtigen wäre, so die Wissenschafter. (APA, 21.3.2015)

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