USB C: Apple will Vorreiter sein – auf Kosten eigener Nutzer

Analyse25. März 2015, 11:49
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Entscheidung, beim neuen Macbook nur einen USB-Anschluss anzubieten, stellt Nutzer vor Probleme

Apple will mit einer wagemutigen und vermeintlich visionären Design-Entscheidung glänzen: Das neue Macbook soll nur einen einzigen Anschluss (abseits des Eingangs für Kopfhörer) aufweisen. Der USB-C-Port soll zur Energiezufuhr, zum Datentransfer und auch für externe Monitore genutzt werden. Durch die Reduktion auf einen Anschluss war Apple in der Lage, das neue Macbook dünner zu machen, ohne am Akku oder anderen Leistungen zu sparen. Allerdings mehren sich eine Woche nach der Präsentation des Geräts jene Stimmen, die Apples Entscheidung lautstark kritisieren.

Lebensrealität

Zwar sei es prinzipiell gut, sogar notwendig, USB-C-Anschlüsse an neuen Geräten anzubringen, allerdings versteht etwa Wired nicht, warum Apple nicht zusätzlich einen weiteren USB-C- oder zumindest einen "regulären" USB-A-Port anbietet. Denn in der Lebensrealität der Nutzer funktioniere die Nutzung nur eines Anschlusses einfach noch nicht. Zusätzlich gebe es momentan kaum USB-C-kompatible Geräte.

Multitasking

Die IT-Website golem.de unterstellt Apple sogar, seine Nutzer "knechten und ihnen das Geld aus der Tasche" ziehen zu wollen. Tatsächlich brauchen Besitzer des neuen Macbooks wohl zusätzliche Adapter, um ältere Geräte nutzen zu können. Der einfachste USB-zu-USB-C-Adapter kostet 19 Euro. Dann kann aber immer noch lediglich eine Tätigkeit via USB ausgeführt werden. Wer einen Zweitmonitor nutzt, aber Strom braucht, hat damit ein Problem. USB-Adapter, die gleichzeitig auch mehrere Anschlüsse ermöglichen, rangieren dann als Apple-Produkt schon bei 89 Euro.

Apple TV günstiger als Adapter

Wie Wired süffisant bemerkt, wäre es etwa beim Spiegeln von Inhalten auf einen Fernseher sogar günstiger, sich Apple TV zuzulegen, das 79 Euro kostet. Es liegt die Vermutung nahe, dass Apple mit dem einen Anschluss neben Marketingzwecken auch die Nutzung seiner iCloud vorantreiben will. Der Konzern setzt darauf, dass seine Kunden etwa Fotos mit ihrem iPhone machen, diese in der Cloud speichern und dann am Macbook via Internet abrufen. Natürlich ist in diesem Szenario kein Kabel nötig.

Kameras, Festplatten? Egal!

Allerdings setzen längst nicht alle Macbook-Nutzer anderswo ausschließlich auf Apple-Produkte. Dann wird es mau: Zur Datenübertragung von Kameras mit SD-Karte müsste etwa ein USB-Adapter plus USB-Kartenlesegerät erworben werden. Externe Festplatten oder USB-Sticks mit USB-C-Anschluss sind momentan Mangelware, ebenso Monitore. Und wer beim Hotelbesuch oder wegen schlechten WLANs auf Ethernet setzt, hat keine Chance. Selbst das iPhone lässt sich momentan nicht durch das Macbook aufladen, da noch kein Adapter zwischen Lightning und USB-C auf dem Markt ist.

Marketingeffekt

Diese Aufzählung zeigt, dass in puncto Kundenfreundlichkeit ein oder zwei weitere Anschlüsse durchaus Sinn ergeben hätten. Google hat im neuen Chromebook etwa zwei USB-C-Ports. Aber Apple stellt offenbar den Marketingeffekt der "Nur ein Anschluss"-Saga über die Bedürfnisse der Nutzer. (Fabian Schmid, derStandard.at, 25.3.2015)

  • Apples neues Macbook setzt auf einen einzigen Anschluss.
    foto: ap/risberg

    Apples neues Macbook setzt auf einen einzigen Anschluss.

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