Bauern wollen auch bei Mehrwertsteuer nachverhandeln

16. März 2015, 13:50
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Attac kritisiert Reform "von Männern für Männer"

Wien - Bauernvertreter wollen im Rahmen der Steuerreform einerseits noch Details nachverhandeln und verlangen auch zusätzlich noch Korrekturen "durch die einseitigen, zusätzlichen Belastungen durch höhere Mehrwertsteuer für Futter, Saatgut, Blumen und Lebendtiere". Das teilte der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher am Montag in einer Aussendung mit.

Obwohl die Bauerneinkommen zuletzt zurückgegangen seien und insgesamt geringer ausfielen als das Durchschnittseinkommen in Österreich "werden die Bauern bei der Steuerreform kräftig zur Kassa gebeten. Diese Ungerechtigkeit ist für Bauern schwer verkraftbar und inakzeptabel", kritisiert Titschenbacher. Alleine die steirischen Bauern würden durch die Mehrwertsteuererhöhungen pro Jahr mit höheren Produktionskosten von 10,5 Millionen Euro getroffen.

Vorleistung durch höhere Einheitswerte

Mit den heuer im Agrarsektor erhöhten Einheitswerten - die die Bauern auch vor der Erhöhung der Grunderwerbssteuer über eine Besteuerung über den Verkehrswert davonkommen ließ - würden die Landwirte auch schon eine Vorleistung erbringen, so der steirische LK-Präsident. Die Land- und Forstwirtschaft wird weiterhin auf Basis des Einheitswertes besteuert - trotzdem wollen die Bauern laut Bauernbund noch im Parlament Details verhandeln.

Attac kritisiert Steuerreform scharf

Kritik am weitgehenden Verzicht auf vermögensbezogene Abgaben bei der Steuerreform kommt von der globalisierungskritischen Organisation Attac. "Ohne Erbschafts- und Vermögenssteuer wird die explodierende Vermögenskonzentration nicht einmal ansatzweise gebremst", kritisiert Alexandra Strickner von Attac Österreich via Aussendung. Die Steuerreform der Regierung versage im Kampf gegen Ungleichheit.

Die Lohnsteuersenkung wird zwar grundsätzlich begrüßt, aber in Summe handle es sich um eine Reform "von Männern für Männer". Denn Männer würden mit 2,8 Milliarden Euro fast doppelt so hoch entlastet wie für Frauen mit 1,5 Milliarden. Außerdem fordert Attac die komplette Abschaffung des Bankgeheimnisses. Damit könnten in Zukunft alle Einkommensarten - also auch Zinsen, Dividenden und Aktienkursgewinne - genauso progressiv besteuert werden wie Einkommen aus Arbeit. (APA, 16.3.2015)

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