Kapellari warnt vor Selbstbezogenheit der Kirche

16. März 2015, 07:22
69 Postings

Der Kirche wie ihren Bischöfen müsse es vorrangig um Gott sagt der emeritierte Bischof bei dem Dankgottesdienst für ihn

Graz - Zur Würdigung des emeritierten Bischofs Egon Kapellari hat die Diözese Graz-Seckau am Sonntagnachmittag zu einem feierlichen zweistündigen Dankgottesdienst in den Grazer Dom geladen. Der Kirche wie ihren Bischöfen müsse es vorrangig um Gott, seinen menschgewordenen Sohn und den Menschen als Geschöpf Gottes gehen, gab Kapellari den versammelten Würdenträgern und Gläubigen mit auf den Weg.

"Wenn die Kirche sich zu einem eigenständigen Thema macht und sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt, dann verfällt sie ja in eine sterile Selbstbezogenheit", warnte der Bischof im voll besetzten Grazer Dom unter Anwesenheit zahlreicher Verantwortungs- und Würdenträger aus Kirche, Politik und Gesellschaft.

"Als ob es Gott nicht gäbe"

Kapellari verwies in diesem Zusammenhang auch auf ein Wort des Apostels Paulus: "Omnia vestra, vos autem Christi" (auf Deutsch: "Alles gehört Euch, Ihr aber gehört Christus), das er sich bei seiner Bischofsweihe zum Motto gemacht hatte. "In der sogenannten westlichen Welt leben freilich auch viele Menschen so als ob es Gott nicht gäbe, so als ob Gott nur ein Wort mit vier Buchstaben wäre oder ein anderer Name für Evolution", mahnte Kapellari. "Gleichgültigkeit gegenüber der Frage nach dem Sinn des Lebens und ein beliebiges Vermengen verschiedener Religionen für die katholische Kirche" sei die größte Herausforderung für die Katholische Kirche. "Wer Gott, wer Christus wirklich gefunden hat, der wird versuchen, ihn auch anderen Menschen einladend zu zeigen".

Heute stünden Diözesen aber auch "in einer Spannung zwischen Breite und Tiefe", die in der Mitte auszuhalten und auszutragen sei. Dieser Mitte seien jene Getauften am nächsten, "die am tiefsten glauben und zugleich Gott und die Menschen am meisten lieben". "Es scheint mir aber, dass nicht wenige Katholiken am sogenannten rechten wie am sogenannten linken Rand der Kirche glauben, sie seien ja ohnedies schon in der Mitte angekommen oder schon von jeher dort gewesen", kritisierte Kapellari. Hier gelte es, "die spezifischen Gefährdungen und auch Pathologien" des je eigenen Flügels nicht zu übersehen.

Hohe Amtsträger mit dabei

Dem Dankesgottesdienst wohnte eine Reihe hoher kirchlicher Amtsträger bei: Mit Kapellari feierten der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl und die emeritierten Bischöfe Johann Weber (Graz), Alois Kothgasser (Salzburg) und Maximilian Aichern (Linz). Gekommen waren auch der apostolische Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen sowie sämtliche Ordensobere der steirischen Orden. Superintendent Hermann Miklas dankte als Vorsitzender des Ökumenischen Forums für die Begegnung in ökumenischer Verbundenheit "auf Augenhöhe". Kapellari sei stets in Dialog mit den anderen Religionen getreten, ohne die eigene dabei zu relativieren. Und er habe sich "den Luxus geleistet, aus dem Amt heraus einen kritischen Blick auf die Kirche zu richten, so Miklas.

Die steirische Landesregierung war durch Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und die Landesräte Bettina Vollath (SPÖ), Christian Buchmann und Hans Seitinger (beide ÖVP) vertreten. Schützenhöfer bezeichnete Kapellari in seinen Dankesworten als "Intellektuellen, der es sich aus Demut vor dem Amt nie leicht gemacht habe". Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) würdigte den emeritierten Diözesanbischof als "unaufgeregt aber unaufhörlich bemühten Hirten, den Menschen den Glauben nahezubringen".

Rücktritt Ende Jänner

Kapellari steht im achzigsten Lebensjahr und war bis zu seiner Emeritierung der dienstälteste Bischof in Österreich. Er leitete die Diözese Graz-Seckau seit März 2001, davor war er ab 1982 Bischof der Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt. Ende Jänner erklärte er seinen Rücktritt und wurde wenige Tage später durch den Vatikan entpflichtet. Mit dem Rücktritt endeten auch Kapellaris Ämter innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz: Dort übte er seit 2001 die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden aus und war für die Themenbereiche Europa, Medien, Liturgie sowie Kunst und Kultur zuständig. Der bisheriger Generalvikar Heinrich Schnuderl hat bis zur Ernennung von Kapellaris Nachfolger die bischöflichen Aufgaben übernommen. Der Dankgottesdienst war der erste offizielle Auftritt von Bischof Kapellari seit Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch am 28. Jänner angenommen hat. (APA, 16.3.2015)

  • Der emeritierte Bischof Egon Kapellari war im Jänner zurückgetreten.
    foto: apa/sonntagsblatt/gerd neuhold

    Der emeritierte Bischof Egon Kapellari war im Jänner zurückgetreten.

Share if you care.