Monte-dei-Paschi-Präsident Profumo auf Rückzug

15. März 2015, 17:50
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Alessandro Profumo befindet sich auf Rückzug, der italienische Staat wird bei der Kapitalaufstockung zweitgrößter Aktionär

Der 57-jährige Alessandro Profumo befindet sich auf Rückzug. Der einstige CEO der Unicredit Group und einer der renommiertesten Banker in Italien will sich von seinem Amt als Präsident der Problembank Monte dei Paschi di Siena (MPS) im Sommer zurückziehen.

Eigentlich wollte der Bankpräsident schon im April, wenn der Board von MPS erneuert wird, zurücktreten. Doch die Großaktionäre der Bank haben ihn gebeten, zumindest bis zum Abschluss der Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro im Amt zu verbleiben.

Stresstest

Bekanntlich ist MPS bei den Stresstests der EZB im vergangenen Herbst durchgefallen. Die EZB hatte bei MPS eine Kapitallücke von 2,1 Mrd. Euro festgestellt. Um diese zu decken und die verbliebenen Staatsschulden (1 Mrd. Euro) zurückzuzahlen, hat der Verwaltungsrat eine neuerliche Kapitalerhöhung angekündigt. Diese soll im Mai oder Juni abgewickelt werden.

Die Schweizer UBS garantiert die Kapitalaufstockung. Chef der UBS ist der ehemalige Unicredit-Topmanager Sergio Ermotti. Er zählt zu den engsten Verbündeten von Profumo. Insofern ist es verständlich, dass die Großaktionäre darauf bestehen, dass Profumo zumindest bis zum Abschluss der Kapitaltransaktion im Amt verbleibe. Diese soll auch den Weg für eine mögliche Allianz mit einem in- oder ausländischen Bankpartner ebnen.

Hoher Verlust

Da MPS im vergangenen Jahr einen Verlust von über fünf Milliarden Euro schrieb, ist es ihr vertragsmäßig erlaubt, die noch fälligen Zinsen dem Staat in Form von Aktien zurückzuzahlen. Damit avanciert der Staat mit vier Prozent Anteilen zum zweitgrößten MPS-Aktionär. Der Staat wird also künftig bei MPS mitmischen. Mag sein, dass auch dies ein Argument war, weshalb Profumo auf seinen Abschied besteht.

Profumo hat in Mailand auch den Beinamen "Banker mit Visionen", nachdem er 2005 als Unicredit-Chef die HypoVereinsbank und Bank Austria erwarb und mit Zukäufen im In- und Ausland, insbesondere in Osteuropa, Unicredit zu einem wichtigen internationalen Player machte. Damals hielten ihn seine Kritiker für verrückt, gab der Banker im Gespräch mit dem STANDARD einmal zu.

Abfindung

Unter seiner Führung mauserte sich Unicredit zu einer der größten Bankengruppen Europas. Der für sein großes Durchsetzungsvermögen bekannte Profumo verstand nicht die Befürchtungen der Unicredit-Großaktionäre, die um ihren politischen Einfluss bangten, als der Banker begann, ausländischen Aktionären (Libyen) den Weg zu öffnen. Profumo musste 2010 gehen. Als Abfindung bekam er 40 Mio. Euro, mit denen er sich ein Weingut kaufte.(Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 16.3.2015)

  • Alessandro Profumo legt sein Amt als Präsident der gebeutelten Monte dei Paschi di Siena zurück.
Foto: Reuters / Gianpiero Sposito

    Alessandro Profumo legt sein Amt als Präsident der gebeutelten Monte dei Paschi di Siena zurück.

    Foto: Reuters / Gianpiero Sposito

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