Iggy Pop hat recht

Einserkastl15. März 2015, 17:24
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Die Suche nach den wahren Schuldigen

Die ungünstige Lebenserwartung russischer Kritiker und Berichterstatter wirft Schlagschatten. Natürlich lässt es sich nie an Putin festmachen, und natürlich ist Putin laut Eigendefinition in jedem Fall das eigentliche Opfer. Denn Prügelattacken auf Schreibende (zuletzt Autorin Wituchnowskaja), die sich nichts anderes haben zuschulden kommen lassen, als offenes Wort in offener Gesellschaft einzufordern, schaden angeblich nicht so sehr den Zusammengeschlagenen als seinem Renommee.

Die Oppositionellen, die die geradezu egoistische Tendenz entwickeln, hinterrücks erschossen zu werden, um sich so formvollendet zu Märtyrern zu stilisieren, führen eigentlich nichts anderes im Schilde, als Putin anzupatzen. Glücklicherweise sind die wahren Schuldigen oft atemberaubend schnell gefunden und gestehen sofort. Dass sie Folteranzeichen aufweisen sollen wie jener Mann, dem die Ermordung Nemzows vorgeworfen wird, ist dabei eigentlich nebensächlich.

Von nix kommt nix. Amnesty International hat eine Kampagne gegen Folter lanciert, in der Iggy Pop mit blutunterlaufenem Auge und Platzwunden auf der Stirn angibt, Justin Bieber sei die Zukunft der Musik. Man kann Menschen zu allem bringen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Prägung einer ehemaligen Diktatur sitzt offenbar tief: Circa 80 Prozent der Russen finden Putin dennoch klasse. Zu dumm, dass niemand weiß, wo er steckt. (rab, DER STANDARD, 16.3.2015)

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