Gläubiger & Schuldner – Anatomie eines Herrschaftsverhältnisses

Video15. März 2015, 17:00
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FS Misik heute mit folgenden Themen:

Schuldenmacherpartei ÖVP. Wir haben keine Steuerreform, sondern eine Steuersenkung, die nicht gegenfinanziert ist. Auf der Einnahmenseite gibt es nur Fantasie-Luftbuchungen, weil die ÖVP Erbschafts- und sonstige Vermögenssteuern blockiert hat. Also: Die ÖVP, die sich immer als Fürsprecherin des soliden Wirtschaftens großtut, beschert uns ein Budgetloch, das wir schon jetzt das Mitterlehner-Schelling-Loch nennen dürfen.

Gläubiger & Schuldner, ein Herrschaftsverhältnis. Leibeigenschaft, Sklaverei, andere Formen ostentativer Gefangenschaft sehen wir heutzutage als illegitim an, aber die Beherrschungseffekte des Schuldverhältnisses übersehen wir gerne. Allenfalls fällt uns jetzt auf, wie die Aufteilung in Gläubigerstaaten und Schuldnerstaaten gerade die Europäische Union zerreißt. Der Gläubiger spricht nicht in der lauten Sprache des Tyrannen, sondern mit der leisen Sprache des Rechts. Mag der Gläubiger Existenzen ruinieren oder ganze Landstriche verwüsten, er ist im Recht. Der Verschuldete hat ein großes Stück Freiheit verwirkt. Verschuldete mucken selten auf – oft ist der Verschuldete das Schweinchen, das alles macht. Der Schuldner wird als infantiles Kleinkind behandelt, das sich vom Gläubiger schulmeistern lassen muss. Meist reagiert der Schuldner darauf nur mit stummem Groll. Verschuldung ist eine mächtige Kraft von Anpassung, Unterwerfung und Konformismus. Anatomie eines zeitgenössischen Herrschaftsverhältnisses. (Robert Misik, derStandard.at, 15.3.2015)

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