Der alpine Nachwuchs hat Luft nach oben

13. März 2015, 22:58
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Nina Ortlieb gewann im Riesentorlauf das einzige Gold für Österreich bei der Junioren-WM in Hafjell

Wien/Hafjell - Gert Ehn hatte eine Vorahnung. Mit vier bis sechs Medaillen hatte der Nachwuchsreferent des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) bei der Alpinen Juniorenweltmeisterschaft im norwegischen Hafjell gerechnet, geworden sind es schließlich fünf: je einmal Gold und Bronze, dazu noch dreimal Silber. "Ich bin recht zufrieden", sagt Ehn im Gespräch mit derStandard.at, "in manchen Rennen war vielleicht etwas mehr drin."

In der abschließenden Herren-Abfahrt fuhr der 20-jährige Slaven Dujakovic am Freitag als bester Österreicher auf Rang fünf. Nur sieben Zehntel fehlten dem Salzburger mit bosnischen Wurzeln auf das Podium, zweitbester ÖSV-Athlet war Matthias Graf - auf Platz 25.

Das klingt nicht berauschend, zumal die ÖSV-Herren auch im Super G nicht über Platz zehn durch Thomas Hettegger hinauskamen. Von fehlender Dichte im Speed-Nachwuchs will Ehn trotzdem nicht sprechen, im Europacup sei der ÖSV dominant, der hochtalentierte Tiroler Clemens Nocker derzeit verletzt. Zudem sei zuletzt viel in den Slalom investiert worden, um das sich öffnende Loch hinter Marcel Hirscher zu schließen.

So wird etwa Marco Schwarz, im Vorjahr noch Abfahrtsvizeweltmeister der Junioren, als Slalomfahrer aufgebaut - mit Erfolg. Der Kärntner startet im Weltcup und gewann in Hafjell Silber hinter dem starken Norweger Henrik Kristoffersen. "Diese Medaille glänzt wie Gold, Marco war nach dem ersten Durchgang nur auf Rang 27". Und Kristoffersen, der bereits zwei Siege im Weltcup feiern konnte, sei nun mal "ein ganz eigenes Kaliber".

In der Tat schrieb Kristofferssen in Hafjell Skigeschichte. Mit Siegen in Slalom und Riesentorlauf stieg er zum erfolgreichsten Nachwuchsfahrer aller Zeiten auf, sechs Goldketten hängen nun um den Hals des Olympia-Dritten von Sotschi. Die bisherige Bestmarke hielt Benjamin Raich mit fünf Titeln. Zum Vergleich: Marcel Hirscher brachte es bei drei Teilnahmen zwischen 2007 und 2009 auf ebenso viele Goldmedaillen.

"Medaillen bei der Junioren-WM sind ein Gradmesser", sagt Ehn. Seine Aussage lässt sich nicht widerlegen. Von den besten zehn Damen im Skiweltcup 2014/15 ging mit der Slowenin Tina Maze nur eine einzige bei Nachwuchsweltmeisterschaften leer aus. Ein ähnliches Bild bei den Herren: Nur Felix Neureuther und Fritz Dopfer fallen aus dem Rahmen.

Der ÖSV erwarte sich bei der WM also "ein gutes Abschneiden" von seinen Athleten. Schließlich könne man beobachten, wer seine Leistung an einem Tag X abrufen könne. Eine die es kann, ist Nina Ortlieb, sie gewann im Riesentorlauf das einzige Gold für Österreich. "Nina hat eine schwere Verletzung hinter sich, eine echte Kämpferin", lobt Ehn die Tochter von Olympiasieger Patrick Ortlieb.

Die 18-jährige Vorarlbergerin setzte sich vor der Tirolerin Stephanie Brunner durch. Die wiederum gewann in Gesellschaft von Katharina Huber, Thomas Hettegger und Maximilian Lahnsteiner auch Silber im Teambewerb. Zum ersten Mal konnte ein ÖSV-Juniorenteam reüssieren. "Das freut uns besonders", sagt Ehn.

Die 19-jährige Katharina Truppe fuhr ihrerseits zu Bronze im Slalom. Die Kärntnerin startet kommende Saison im Weltcup, beständigen Ergebnissen im Europacup sei Dank. Schnuppern durfte sie bereits im Riesentorlauf von Aare, schied dort aber im ersten Durchgang aus. Als hoffnungsvolles Talent gilt auch Christina Ager, die Allrounderin ging bei der WM zwar leer aus, hat aber bereits einen vierten Platz im Weltcup zu Buche stehen.

Im Medaillenspiegel von Hafjell belegte die ÖSV-Equipe schließlich den vierten Platz. Erfolgreichste Nation war Norwegen mit neun Medaillen (4-3-2) vor Italien (2-0-1) und der Schweiz (2-1-3).

Es gab schon erfolgreiche Titelkämpfe für den ÖSV, nur 2012 war die Ausbeute an Medaillen im neuen Jahrtausend kleiner. Auch die Breite scheint nicht in allen Disziplinen gegeben. "Wir setzen nicht auf Menge, das haben wir noch nie getan", sagt Ehn, "wir wollen pro Jahrgang ein bis zwei gute Läufer herausbringen und diese individuell fördern". (Philip Bauer, derStandard.at, 13.3.2015)

Ergebnisse der Junioren-WM im Überblick:

HERREN

Abfahrt:

1. Henri Battilani (ITA) 1:29,62 Minuten
2. Marcus Monsen (NOR) 0,33
3. Niels Hintermann (SUI) 0,34

Weiter: 5. Slaven Dujakovic (AUT) 1,04 - 25. Mathias Graf (AUT) 1,99 - 40. Thomas Hettegger (AUT) 2,60 - 43. Manuel Annewanter 3,06 (AUT)

Super-G:

1. Miha Hrobat (SLO) 1:15,87 Minuten
2. Stefan Hadalin (SLO) 0,36
3. Loic Meillard (SUI) 0,53

Weiter: 10. Thomas Hettegger (AUT) 0,91 - 23. Marco Schwarz (AUT) 1,70 - 30. Manuel Annewanter (AUT) 1,99 - 33. Maximilian Lahnsteiner (AUT) 2,10 - 36. Slaven Dujakovic (AUT) 2,20 - 51. Mathias Graf (AUT) 3,22

Riesentorlauf:

1. Henrik Kristoffersen (NOR) 2:23,37 Minuten
2. Loic Meillard (SUI) 0,96
3. Marcus Monsen (NOR) 1,16

Weiter: 21. Dominik Raschner (AUT) 3,81 – 20. Matthias Graf (AUT) 6,57

Slalom:

1. Henrik Kristoffersen (NOR) 1:37,55 Minuten
2. Marco Schwarz (AUT) 1,55
3. AJ Ginnis (USA) 1,75

Weiter: 11. Thomas Hettegger (AUT) 2,54

Kombination:

1. Loic Meillard (SUI) 1:58,25 Minuten
2. Stefan Hadalin (SLO) 0,88
3. Miha Hrobat (SLO) 0,98.

Weiter: 5. Marco Schwarz (AUT) 1,47 - 20. Maximilian Lahnsteiner (AUT) 3,53 - 22. Manuel Annewanter (AUT) 3,74 - 28. Mathias Graf (AUT) 4,92 - 30. Slaven Dujakovic (AUT) 5,03 - Thomas Hettegger (AUT) ausgeschieden

DAMEN

  • Abfahrt:

1. Mina Fürst Holtmann (NOR) 1:32,58 Minuten
2. Maria Therese Tviberg (NOR) +0,50 Sek
3. Nicole Delago (ITA) 0,75

Weiter: 8. Christina Ager 1,34 - 14. Elisabeth Reisinger 1,74 - 19. Kerstin Nicolussi 1,97 - 32. Nina Ortlieb 3,21 - 34. Elisabeth Kappaurer 3,26 (alle AUT). Out: Martina Rettenwender (AUT)

  • Super-G:

1. Federica Sosio (ITA) 1:23,81 Minuten
2. Mina Fürst Holtmann (NOR) 0,21
3. Rahel Kopp (SUI) 0,30

Weiter: 8. Nina Ortlieb 1,34 (AUT) - 11. Christina Ager 1,45 (AUT) - 13. Elisabeth Reisinger 1,49 (AUT) - 17. Martina Rettenwender 1,57 (AUT). Ausgeschieden u.a.: Elisabeth Kappaurer (AUT)

  • Riesentorlauf:

1. Nina Ortlieb (AUT) 2:25,14 Minuten
2. Stephanie Brunner (AUT) 0,17

3. Valerie Grenier (CAN) 0,20

Weiter:
9. Elisabeth Kappaurer (AUT) 1,16. Im ersten Durchgang ausgeschieden u.a.: Katharina Truppe (AUT)

  • Slalom:

1. Paula Moltzan (USA) 1:43,54 Minuten
2. Marlene Schmotz (GER) 0,65
3. Katharina Truppe (AUT) 0,99

Weiter: 19. Christina Ager (AUT) 1,66 - 20. Katharina Huber (AUT) 1,73 - 21. Stephanie Brunner (AUT) 1,80 - 24. Elisabeth Kappaurer (AUT) 2,32

  • Kombination:

1. Rahel Kopp (SUI) 2:08,54 Minuten
2. Romane Miradoli (FRA) 0,36
3. Mina Fürst Holtmann (NOR) 1,02

Weiter: 5. Christina Ager 1,32 - 20. Elisabeth Reisinger 3,84 (alle AUT). Ausgeschieden u.a.: Nina Ortlieb, Martina Rettenwender (beide AUT)

TEAM

1. Norwegen (Peder Dahlum Eide, Julie Flo Mohagen, Max Røisland, Tonje Healey Trulsrud
2. Österreich (Stephanie Brunner, Thomas Hettegger, Katharina Huber, Maximilian Lahnsteiner)

3. Deutschland (Patrizia Dorsch, Alexander Schmid, Marlene Schmotz, Lukas Wasmeier)

  • Um diese Stücke geht es: Gold, Silber, Bronze. Fünf dieser edlen Halsbänder gewann der ÖSV bei der alpinen Junioren-WM in Hafjell.
    foto: apa/epa/hildenbrand

    Um diese Stücke geht es: Gold, Silber, Bronze. Fünf dieser edlen Halsbänder gewann der ÖSV bei der alpinen Junioren-WM in Hafjell.

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