Argentinien will Akten zu Anschlag auf jüdisches Zentrum veröffentlichen

13. März 2015, 18:51
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Fall steht im Mittelpunkt von Skandal um Strafvereitelung

Buenos Aires - Nach Vorwürfen der Verschleierung und Strafvereitelung hat die argentinische Regierung ihre Akten über einen Anschlag auf ein jüdisches Zentrum freigegeben, bei dem vor elf Jahren 85 Menschen getötet worden waren. Ein am Freitag im offiziellen Amtsblatt veröffentlichter Erlass sieht vor, dass sämtliche Ermittlungsunterlagen zu dem Anschlag für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Freigegeben würden zudem auch alle neuen Akten und Dokumente, die nicht Teil der Ermittlungen waren, aber ebenfalls "von Interesse für die Untersuchung" sein könnten.

Bei einem Bombenanschlag auf die jüdische Wohlfahrtsorganisation Amia in Buenos Aires waren im Jahr 1994 insgesamt 85 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden. 21 Jahre später steht der Fall wieder im Zentrum des öffentlichen Interesses, nachdem ein Ermittler in dem Fall im Jänner unter mysteriösen Umständen starb. Die Behörden sprachen von Suizid, die Familie des Staatsanwaltes dagegen von Mord.

Der Ermittler Alberto Nisman hatte die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner beschuldigt, die Ermittlungen zu dem Anschlag zu behindern, um die Beziehungen zu dem für den Anschlag verantwortlichen Iran nicht zu belasten.

Vertreter der jüdischen Gemeinde in Argentinien reagierten verhalten auf die Nachricht von der Freigabe der alten Ermittlungsakten. Da die damaligen Ermittler mittlerweile unter dem Verdacht stünden, "Teil eines Systems gewesen zu sein, das die Kontrolle verlor", sei der Wahrheitsgehalt der in den Akten enthaltenen Informationen zweifelhaft, sagte Waldo Wolff vom jüdischen Dachverband Daia dem Radiosender Mitre. Die Ermittlungen zu dem Bombenanschlag waren seinerzeit ergebnislos eingestellt worden.

Ein Richter hatte im vergangenen Monat den Vorwurf der Strafvereitelung gegen Präsidentin Kirchner zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft legte gegen die Entscheidung jedoch Berufung ein. (APA, 13.3.2015)

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