Steuerberater: "Bei Wohnungen kommt es zu massiver Mehrbelastung"

15. März 2015, 22:17
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Steuerberater beobachten bereits Vorzieheffekte bei der Übertragung von Immobilien innerhalb der Familie. Auch Dividendenausschüttungen könnten möglichst noch heuer durchgeführt werden

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer konnten in den letzten Monaten bereits die große Verunsicherung beim Bürger beobachten, was die künftige Übertragung von Eigentum betrifft: "Wenn man mit seinem Eigentum sowieso etwas plante, hat man in der letzten Zeit bereits Grundstücksschenkungen durchgeführt", sagt Roland Rief vom Beratungsunternehmen EY.

Diese Schenkungen wurden vorgenommen, da man im Vorfeld zur Steuerreform die Einführung einer Erbschaftssteuer befürchtete. Diese ist jetzt nicht gekommen. Doch ist die neue Grunderwerbssteuer auch nicht ohne. "Diese Steuer führt bei Wohnungen zu einer massiven Mehrbelastung, auch bei der Übertragung innerhalb der Familie", sagt Verena Trenkwalder von der KPMG.

Ab 1. Jänner 2016 wird es also teurer, Wohnungen, Häuser sowie Grund und Boden zu verkaufen, zu verschenken oder zu vererben. Bisher bezahlte man in einem solchen Fall innerhalb der Familie zwei Prozent vom dreifachen, niedrigen Einheitswert. Künftig zahlt man zwischen 0,5 und 3,5 Prozent, je nach Verkehrswert.

Logisch, dass Steuerberater erwarten, dass sich der Boom bei Übertragungen bis Jahresende fortsetzen dürfte: Die ältere Besitzer-Generation verschenkt dabei an die Nachkommen, was sie irgendwann sowieso vererben wollte und bedingt sich lebenslanges Wohnrecht aus. - "Mit all den Problemen, die damit oft verbunden sind", sagt Trenkwalder.

Steuern auf Aktienerträge

Auch bei der erhöhten Kapitalertragssteuer (KESt) auf Dividenden und bei Wertpapierspekulationen könnte es zu - wenn auch kleineren - "Vorzieheffekten" kommen. Im Rahmen der Steuerreform wird diese KESt ab 2016 auf 27,5 Prozent erhöht. Nicht angetastet wird die KESt auf Sparbuchzinsen, diese bleibt bei 25 Prozent.

Vorstellbar wäre, dass Gewinnausschüttungen, so weit möglich, heuer noch vorgezogen werden, sagt Rief. Allerdings, meint er, dass aufgrund der relativ geringen Anhebung von 2,5 Prozentpunkten eher die Variante gewählt werde, Gewinne im Unternehmen zu belassen.

Auf Kritik stößt die Erhöhung trotzdem. Diese sei eine "Watschn" für den Mittelstand, sagte David Gloser, Partner der Steuerberatungskanzlei Ecovis. Denn kleine Gewerbeunternehmen hielten häufig GmbHs im Familienbesitz, damit ergebe sich für sie in Summe durch die Steuerreform eine höhere Belastung als vorher. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 14.3.2015)

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