Anschläg von Paris: Verfahren nach Festnahmen eröffnet

13. März 2015, 18:17
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33- und 25-Jähriger sollen Attentäter Coulibaly gekannt und Waffen beschafft haben

Paris - Im Zusammenhang mit der islamistischen Anschlagsserie von Paris ist ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Verdächtige aus dem Umfeld des Attentäters Amedy Coulibaly eingeleitet worden. Den Männern werde "Beteiligung an einer Terrorvereinigung mit dem Ziel, Verbrechen gegen Menschen zu verüben", vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag in Paris mit.

Die beiden 33 und 25 Jahre alten Männer sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kontakt zu Coulibaly gehabt und ihm Waffen beschafft haben. Vor allem einer der beiden, der 33-jährige Amar R., soll mit Coulibaly sehr häufig in Kontakt gestanden und ihn auch kurz vor den Anschlägen getroffen haben.

Amar R. ist der Lebensgefährte einer Polizistin, die bis Mittwoch ebenfalls in Polizeigewahrsam war, dann aber freigelassen wurde. Der bereits straffällig gewordene Mann soll sich laut einer Auswertung von Telekommunikationsdaten kurz vor dem Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt Anfang Jänner in Paris in unmittelbarer Nähe von Coulibaly aufgehalten haben.

Staatsanwalt Francois Molins teilte nun mit, binnen vier Monaten habe Amar R. fast 600 SMS mit Coulibaly ausgetauscht. Er habe Coulibaly auch mehr als zehn Mal getroffen, "insbesondere am 5. und 6. Jänner", also unmittelbar vor Beginn der Anschlagsserie am 7. Jänner. Coulibaly hatte Amar R. in der Haftanstalt von Villepinte kennengelernt.

Der andere Verdächtige, gegen den nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, ist der 25-jährige Said M. Seine DNA-Spuren wurden laut Staatsanwaltschaft auf dem Riemen einer Elektroschockwaffe in dem jüdischen Supermarkt gefunden.

Die Ermittler suchen seit der Anschlagsserie mit insgesamt 17 Toten von Anfang Jänner nach möglichen Komplizen oder Unterstützern der insgesamt drei Attentäter. Coulibaly hatte bei der Geiselnahme in dem jüdischen Supermarkt am 9. Jänner vier Menschen erschossen, nachdem er am Vortag bereits eine Polizistin getötet hatte. Die Brüder Cherif und Said Kouachi hatten am 7. Jänner in den Räumen der Satirezeitung "Charlie Hebdo" in Paris und bei ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen erschossen. Die drei Attentäter wurden am 9. Jänner bei getrennten Polizeieinsätzen erschossen.

Die Polizei hatte am Montag insgesamt vier Verdächtige aus dem Umfeld Coulibalys in Gewahrsam genommen, darunter die Polizistin und ihren Lebensgefährten. Die Frau, die zum Islam konvertierte, war laut Medienberichten Anfang Februar vom Dienst suspendiert worden. Der vierte Verdächtige war wieder freigelassen worden.

Bereits im Jänner waren vier Verdächtige aus dem Umfeld Coulibalys in Untersuchungshaft genommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, dem Extremisten logistische Hilfe geleistet zu haben, ohne zwangsläufig dessen Anschlagsabsichten gekannt zu haben. Sie sollen bei der Beschaffung von Waffen und Fahrzeugen geholfen haben. Auch gegen zwei Bekannte der Brüder Kouachi wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, allerdings aus anderen Gründen. (APA, 13.3.2015)

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