"Schellings Milliarden-Poker": Endlich ein Strahlemann!

13. März 2015, 18:27
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Entsprechenden Ruhm konnte Spindeleggers Nachfolger in "Presse" und "Kurier" einheimsen

Es war ein Medien-Sonntag der Superlative in Sachen Finanzminister, gewesener und aktueller. Der Gewesene eröffnete in "Österreich" sein neues Leben mit einer Reihe von Geständnissen, was so beschrieben wurde: Mit einem Paukenschlag meldet sich Michael Spindelegger diese Woche zurück. Hier erklärt er, was ihn bewegt - von neuem Job bis Hypo. Vorher musste sich der Bewegungsmelder noch etwas von der Seele reden: "Ich habe ein reines Gewissen", trat er allen möglichen Verdächtigungen entgegen, ohne dass welche geäußert worden waren. Was auch bedeuten könnte, dass er sich dessen gar nicht so gewiss ist, denn sicherheitshalber schob er gleich nach: "Ich habe mir bei der Hypo nichts vorzuwerfen."

Diesem Vorgriff auf den Untersuchungsausschuss schickte er ein Versprechen für die Zukunft nach: "Ich lasse mich garantiert auf nichts ein, was unehrenhaft ist", eine Garantie, die in der Ukraine für erhebliches Aufsehen gesorgt haben dürfte, umso mehr, als sie an einen geradezu fanatischen Freiheitswillen gekoppelt war: "Ich will nicht, dass ich zu etwas gezwungen werde." Als jahrelanger Gefangener der Volkspartei weiß er die neue Ungezwungenheit zu schätzen, auch wenn sie nicht lange anhalten dürfte, steht er doch vor einer Aufgabe, eines Sisyphus würdig. Ich stelle für die Ukraine mit internationalen Partnern einen Plan auf. Das ist sehr herausfordernd, weil es das größte Problem ist, in der Ukraine Frieden zu schaffen - und gleichzeitig wieder eine Perspektive für die Bevölkerung zu bekommen.

In Österreich ist ihm das ja weniger gelungen, aber vielleicht nur, weil er sich gezwungen gefühlt hat, während es diesmal der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy, ein deutscher Bundestagsabgeordneter und ein britischer Lord im Oberhaus waren, die ihn fragten, ob er seine Talente der Ukraine zur Verfügung stellen würde. Der milliardenschwere Gas-Oligarch Dmytro Firtasch hat jedenfalls laut "Kronen Zeitung" fast überhaupt nichts damit zu tun, außer sich an Spindeleggers Bienenfleiß zu erquicken. Was ich von meiner Warte aus sagen kann, ist, dass er vom ersten Tag an sehr engagiert war und hart arbeitet. Ich bin überzeugt, dass er diese Aufgabe erfüllen wird. Endlich ein Philantrop, der nicht mit Vorschusslorbeeren geizt.

Gegen die Lösung österreichischer Finanzprobleme erscheint das größte Problem, in der Ukraine Frieden zu schaffen geradezu harmlos. Entsprechenden Ruhm konnte Spindeleggers Nachfolger in "Presse" und "Kurier" einheimsen. Der Hypo-Aktive titelte "Die Presse", und der "Kurier" präzisierte seinen Aufmacher Schellings Milliarden-Poker im Blattinneren glorifizierend: ÖVP-Strahlemann im Härtetest. Nachdem er sich mit Erwin Pröll angelegt hat, vor allem aber, seit er den Steuerzahlern mit Pokerface versprochen hat, sie hätten künftig keinen Euro für die Hypo aufzubringen, durfte er in die Heldenrolle der Politik schlüpfen, wobei es ein Klacks sein sollte, sich mit Erwin Pröll anzulegen, im Vergleich zur Befreiung des Bürgers von der Haider-Steuer.

Laut "Presse" fehlt es Schelling nicht an Voraussetzungen für den Job. Hans Jörg Schelling hat eine Eigenschaft, die für einen Finanzminister eine Tugend ist: Er ist sparsam. Nicht irgendwie sparsam, sondern so sparsam, dass es manchmal schon seine Frau nervt. "Ich fahre nicht zu irgendeiner Tankstelle", verriet er in einem Interview mit der "Kronen Zeitung", "sondern zur günstigsten. Meine Frau lacht schon darüber", wenn sie nicht gerade genervt ist. Sparsamkeit dieser Art ist unausweichlich mit Arbeitsleid verbunden. Es muss für den Sparefroh eine regelrechte körperliche Qual sein, wenn er in seinem Büro in der Wiener Himmelpfortgasse das Budget prüft und sieht, wofür der Bund Geld ausgibt.

Wenn er beim Prüfen des Budgets nur nicht zu viel leiden muss. Ein bissel was von seiner Kraft wird das "Alphatier" ("Kurier") vielleicht zum Löschen aufwenden müssen, denn wenn einmal jemand wie Erwin Pröll in der "Zeit im Bild" Verständnis für den "kritischen Umgang" mit dem Finanzminister zeigt, ist Feuer am Dach. Solange aber nicht mehr passiert, als dass Pröll seinen Finanzlandesrat via "Kurier" drohen lässt: "Bei Philippi sehen wir uns wieder!", muss sich der neue ÖVP-Strahlemann keine Sorgen machen.

Umso weniger, als der "Kurier" von Parteifreunden wissen will: Als Alternative zu Erwin Pröll für die Hofburg wird er gehandelt. Der Handel ist nicht so brisant, wie er scheint. Philippi ist nur St. Pölten, und zum Glück gibt es noch andere Alternativen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 14./15.3.2015)

  • Finanzminister Schelling.
    foto: reuters/foeger

    Finanzminister Schelling.

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