Kapsch: "Das ist keine Steuerreform, nur eine Verteilung von Geld"

Interview13. März 2015, 18:01
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Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung, vermisst Strukturreformen. Diese Chance sei vergeben. Er fragt sich, warum die Regierung erst jetzt Steuerbetrug bekämpfen will

STANDARD: Sie wollten Ihre Stiftung abziehen: Sind Sie froh, dass Sie die Drohung nicht wahrmachen müssen?

Kapsch: Natürlich bin ich erleichtert. Ich habe das nicht als Erpressung gesehen. Es wird immer vergessen, dass Stiftungen auch Steuern zahlen. Wenn sie abwandern, tun sie das nicht mehr. Außerdem sind sie wichtig für Kultur und Wissenschaft. Das ist nicht reines Cash, das besteuert werden kann, der Großteil sind Firmenanteile von Familienunternehmen.

STANDARD: Sind Sie jetzt zufrieden mit der Steuerreform?

Kapsch: Es ist keine Reform, es ist nur eine Verteilung von Geld: Sie wird nicht ausgabenseitig finanziert, sondern nur über Einnahmen. Das schmerzt. Man hätte die Reform für Strukturmaßnahmen nützen können. Davon gibt es aber keine einzige.

STANDARD: In der Verwaltung soll aber über eine Milliarde geholt werden.

Kapsch: Das schaue ich mir an, wie das innerhalb dieser Frist gehen soll. Das Budget läuft jetzt schon aus dem Ruder. Wie soll die Reform finanziert werden? Ich glaube nicht daran, dass zwei Milliarden aus dem Kampf gegen Steuerbetrug kommen können. Warum wurde das bisher nicht gemacht? Ich fürchte, dass es durch ein Defizit finanziert wird.

STANDARD: Stichwort Steuerbetrug: Die Regierung plant ein zentrales Bankkontenregister für Unternehmen, auch das Bankgeheimnis soll fallen.

Kapsch: Davon halte ich nichts, es ist nur zusätzliche Bürokratie.

STANDARD: Für die Industrie sind keine Überraschungen dabei.

Kapsch: Wir konnten die schlimmsten Dinge abwehren. Aber ich hätte gerne ein neues Konzept für dieses Land gehabt. Diese Chance ist vertan. Positiv ist zumindest der Ausbau der Forschungsförderung.

STANDARD: Was waren die schlimmen Dinge?

Kapsch: Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer. Aber wir bekommen eine Erhöhung der Arbeitszusatzkosten, obwohl sie erst im Vorjahr reduziert wurden.

STANDARD: Kritiker bezeichnen die Grunderwerbssteuer als versteckte Erbschaftssteuer.

Kapsch: Das trifft nicht die Industrie, sondern alle Grundbesitzer. Vor allem im ländlichen Raum. Sinnvoller wäre eine Erhöhung der Grundsteuer gewesen. Darüber hat man sich offensichtlich nicht getraut.

STANDARD: Teile der SPÖ feiern die Anhebung der KESt als Millionärssteuer.

Kapsch: Das trifft voll den Mittelstand.Es ist fraglich, ob es verfassungsrechtlich hält.

STANDARD: Wie bewerten Sie die Entlastung der kleineren Einkommen?

Kapsch: Wenn wir fünf Milliarden in die Entlastung der Tarife stecken, hilft es nicht, wenn keine Arbeitsplätze geschaffen werden. Unternehmen müssen auch entlastet werden. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 14.3.2015)

Georg Kapsch (55) ist Chef der Industriellenvereinigung und CEO der Kapsch-Gruppe.

  • "Ich hätte gerne ein neues Konzept für dieses Land gehabt. Diese Chance ist vertan", sagt Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung.
    foto: der standard/cremer

    "Ich hätte gerne ein neues Konzept für dieses Land gehabt. Diese Chance ist vertan", sagt Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung.

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