Neidhammel und Goldesel

13. März 2015, 17:03
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Wenn Studierende aus allen sozialen Schichten kämen, statt mit vererbtem Bildungsniveau den Weg zum Hochschulabschluss einzuschlagen. Flüchtlinge nicht zum ver zweifelten Nichtstun verdammt wären, sondern die Gelegenheit erhielten, sozial und beruflich am Leben teilzuhaben, was nebenbei auch soziale Spannungen beseitigen könnte. Wenn die Doppel belastung, beruflich präsent und ein guter Elternteil zu sein, dessen Wohnung vielleicht nicht strahlt wie das Glas in der Spülmittelwerbung, aber auch nicht in Dreck ertrinkt, gleichwertig verteilt wäre. Ja überhaupt: wenn Geschlecht nicht Karriere definierte. Wenn jene, die Kinder, aber keinen Partner haben, Arbeitsmöglichkeit und Unterstützung erfahren würden, die normalen Alltag ermöglichen, der nicht von Angst und Überforderung durchsetzt ist wie Jausenspeck von Fetteinschlüssen. Wenn ältere Menschen nicht zu unnützem Ballast erklärt würden – und man ihre Erfahrung einsetzen könnte. Wenn diejenigen, die schwer erkranken, zusätzlich zu ihrem Leiden nicht die Ungewissheit ertragen müssten, wie es denn nun beruflich weitergehen soll, und Menschen mit Behinderung auch einen fixen Platz in der Gesellschaft hätten: Das wäre gut. Das geschieht nicht von selbst, das kann man nicht ausschließlich an NGOs auslagern, das fordert unter anderem auch Ressourcen. Das Leben ist mehr als "survival of the fittest", der Ruf nach mehr Fairness keine Neiddebatte, wie gerne vermittelt wird. Dieser Ausdruck ist reine Opfertäterumkehr. Es ist nicht Neid, der den Aufschrei gegen solche Zustände antreibt, sondern gesunder Menschenverstand. Wer Kranken, Verzweifelten, Ausgeschlossenen minimale Unterstützung nicht gönnt, der neidet Notgroschen. Reine Profitmaximierung ist nicht alles: Auch sozialer Frieden ist ein Kapital. (Julya Rabinowich, DER STANDARD, 14./15.3.2015)

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