Mara Mattuschka: Malen muss man täglich

13. März 2015, 17:20
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Bilder von Filmemacherin, Performancekünstlerin und Malerin Mara Mattuschka in der Wiener Galerie Knoll

Filmen kann mal nur einmal im Jahr. Malen muss man täglich", hat Mara Mattuschka einmal gesagt. In Bezug auf die Unterschiede zwischen dem Filmemachen und der Malerei ist damit zwar keineswegs alles gesagt, Mara Mattuschkas Leidenschaft für das Medium dringt aber allemal durch. Seit 30 Jahren arbeitet die 1959 geborene Künstlerin intensiv an ihrem malerischen OEuvre, in dem es - ähnlich wie in ihren Filmen - um die Bewegtheit und Aussagekraft des Körpers, aber auch um die vielen Ichs, Identitäten und Rollen geht.

Kein Wunder also, dass Mara Mattuschka dieser Thematik entsprechend immer wieder als Malerin, Model und Muse fungiert. Angelehnt titelt in der aktuellen Präsentation in der Galerie Knoll in Wien etwa ein Selbstporträt, auf dem sie sich als Diva in Szene setzt: Im grünen Abendkleid greift sie sich genervt an den Kopf, der merkwürdig groß auf einem etwas zu kleinen Körper sitzt.

Mattuschka bevorzugt eine Perspektive von leicht oben; durch die Aufsicht verschiebt sich nicht nur der Blick auf den Körper deutlich, auch der Kopf rückt so automatisch ins Zentrum. In Mattuschkas Bildern spielt er als Träger von Emotionen eine sehr wichtige Rolle: Ohne den mimischen Ausdruck könnte man etwa nur schwer erahnen, wie es der Künstlerin auf dem Fliegenden Teppich ergeht oder wie sich die gebückte Haltung eines Morlock anfühlt.

Gemeinsamkeiten hat Mara Mattuschka aber nicht nur zwischen sich und den Morlocks (aus dem Roman Die Zeitmaschine), sondern auch in Bezug auf zwei mythologische Frauenfiguren entdeckt: Beide, sowohl Danae als auch Io auf der Wolke, wurden von Zeus begehrt und in Form von Goldregen bzw. von einer Wolke unfreiwillig beglückt.

Verrutschte Perücke

Mara Mattuschka betont in ihren Wiederaufnahmen des Sujets die Skurrilität der beiden Geschichten, indem sie sowohl ihren eigenen Körper als auch Requisiten benutzt: Während es sich bei dem Goldregen über ihrer Danae nur um ein paar Tropfen handelt, lässt sie Io laut schreien, wodurch sogar deren Perücke verrutscht.

Dass ihre Rokoko-artige Haarpracht in der klassischen Mythologie im Grunde gar nichts verloren hat, stört nicht weiter; schließlich wird in der Ausstellung schnell offensichtlich, dass Mattuschka ohnehin laufend zwischen Realität und Fiktion, aber auch zwischen den Jahrhunderten, Kulturen - und nicht zuletzt zwischen den Geschlechtern hin und her springt.

Ein Highlight der Präsentation ist dann auch ein Gemälde, für das sich Mattuschka in keinen Geringeren als Hamlet verwandelt hat. Als solcher hält sie zwar ganz klassisch einen Totenkopf in der Hand, schart aber auch fünf Möpse um sich.

Sehr abenteuerlich ist Mattuschkas Erzählung darüber, wie diese ihren Platz neben dem dänischen Prinzen fanden: Eine Rolle spielt darin neben Sokrates ein Weinglas (das Ding, das zwischen ihr und dem Philosophen stand), aber ebenso der Entstehungsprozess des Gemäldes, bei dem die Künstlerin die ursprünglichen Motive aus den Augen verlor.

Dass man nun auf dem Bild stattdessen fast nur noch Möpse sieht, hat eine sehr komische Komponente. Gleichzeitig lässt das ungewöhnliche Aufeinandertreffen von Hamlet mit fünf staunenden Hunden aber auch wissen, dass in Mattuschkas Universum die Logik weit hinter dem Fantastischen, Assoziativen, aber auch Unterhaltsamen rangiert. (Christa Benzer, DER STANDARD, 14.3.2015)

Bis 4. 4.

Galerie Hans Knoll, Gumpendorfer Straße 18, 1060 Wien

  • "Wie lange liegt wohl einer in der Erde, eh er verfault?": Mara Mattuschka als Hamlet in ihrem Gemälde "Hamlet und die Möpse" (2015).
    foto: galerie knoll

    "Wie lange liegt wohl einer in der Erde, eh er verfault?": Mara Mattuschka als Hamlet in ihrem Gemälde "Hamlet und die Möpse" (2015).

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