Auch kranke Mäuseriche punkten bei Weibchen

21. März 2015, 10:30
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Gesundheit riecht für weibliche Mäuse zwar gut, hat auf die direkte Partnerwahl aber keinen Einfluss

Wien - Um evolutionär erfolgreich zu sein, muss ein Lebewesen nicht unbedingt das stärkste seiner Art sein, aber angepasst genug, um bis zur Geschlechtsreife zu überleben, und attraktiv genug, um sich zu paaren. Die Partnerwahl wird von vielen Faktoren beeinflusst -Gesundheit steht zumindest bei Mäusen nicht auf der Liste. Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien fand heraus, dass kranke und gesunde Mäuseriche bei der Paarung gleichermaßen zum Zug kommen.

Gesundheit duftet

Die feinen Nasen der Weibchen können gut zwischen den Duftspuren kranker und gesunder Mäuse unterscheiden, wie eine frühere Studie am Konrad Lorenz Institut für Verhaltensforschung zeigt. Mäuseweibchen halten sich viel öfter dort auf, wo sie der Geruch eines gesunden Männchens umweht. Nun testeten Wissenschafter, wie sich eine weibliche Maus zwischen einem gesunden und einem leicht mit Salmonellen infizierten Partner bei der direkten Wahl entscheidet.

Zu Beginn verhielten sich die weilblichen Hausmäuse wie erwartet: 86 Prozent folgten ihrer Nase und wandten sich dem gesunden Mäuserich zu. Die Weibchen paarten sich dann aber auch mit dem angeschlagenen Männchen. "Das war für uns überraschend. Wir haben angenommen, dass Weibchen sich eher für die gesunden Männchen entscheiden. Einerseits würden sie das Risiko einer Ansteckung minimieren. Die Wahl eines gesunden und krankheitsresistenten Partners würde aber auch Vorteile für die Nachkommen bringen", sagt die Erstautorin Sarah Zala in einer Presseaussendung der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Polygamie als Schutz

Bei fast einem Drittel der Würfe teilen sich die Konkurrenten die Vaterschaft. Polygamie ist bei Mäusen nicht ungewöhnlich und liefert auch einen möglichen Erklärungsversuch, warum das Weibchen einen kranken Paarungspartner nicht verschmäht. Männchen töten manchmal die Jungen anderer Väter, um Weibchen schneller wieder paarungsfähig zu machen und dann ihr eigenes Erbmaterial weiterzugeben. Wenn beide Männchen in dem Wurf zumindest potenziell ihre eigenen Nachkommen sehen, könnte das auch die fremden Jungen vor einem Angriff schützen.

Eventuell sind die Mäuseweibchen in freier Wildbahn auf die Unterscheidung zwischen gesundem und infiziertem Individuum gar nicht angewiesen: Nachdem sie der Duftspur des gesunden Mäuserichs folgen, halten sich Weibchen seltener in der Nähe kranker Männchen auf. Versuche mit einem schwerer erkrankten Männchen könnten weiteres Licht in die Forschung bringen. (apa/red, derStandard.at, 21.3.2015)

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