Draußen sein mit ... Traumskiern von Blizzard, Dynafit und ZAI

15. März 2015, 15:00
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Wunschlisten für den nächsten Winter und Luxusski-Modelle, die 8.000 Euro kosten

Unlängst fragte ein Bekannter, wieso hier noch immer Ski und Winterzeug auftaucht. Wo doch die Skisaison vorbei sei. "Längst". Der Mann hat Recht - und irrt gleichzeitig. Stefan Wierer, der Kopf der Bergführer des Zillertales, erklärte mir vor Jahren: Die Zeiten, in denen Outdooraktivitäten sich ideal ausführen lassen, korrelieren nicht mit den Zeiten, in denen Sportartikelhandel und Touristiker das bewerben.

Skizeugs gibt es ab Oktober: Weihnachtsgeschäft. Ab Februar stehen Fahrräder bereit - fürs Ostergeschäft. Und die - ungeachtet von Wetter, Klima und Höhenlage - immer früher abgehaltenen Skiopenings tun das ihre: Dass die beste Skizeit oft der März ist und die (hochalpine) Skitourensaison bis in den Mai, Juni geht? Egal. Wierer: "Die Natur soll sich an Marketingpläne halten."

foto: zai

Wunschlisten...

Ich gestehe: Auch mein Kopf hat die Ski schon fast - äh - eingewintert. Aber Wunschlisten für die nächste Saison gibt es schon:

Schließlich durfte ich im Jänner in Davos Ski der Kategorie "Ski die es noch nicht gibt" fahren. Mein Favorit: Blizzards "Zero G". Der kommt nächsten Herbst - aber ich durfte schon damit schweben. Denn mit dem Brett bin sogar ich nicht nur im Gelände schwerelos unterwegs: Der Ski kam dem üblichen PR-Text von der eierlegenden Wollmilchsau (bei dem ich sonst abschalte) sehr nahe: "Ein Ski, der auf der Piste und im Powder super performed - stabil für genug für knackige Runs ist, aber leicht genug für lange Touren."

Das funktionierte diesmal wirklich! Ok: Davos war nie so bockhart planiert, wie das in heimischen Massenskigebieten heute nötig ist, um die Horden halbfitter Pistenfahrer nicht ab 13 Uhr auf Buckelpisten zum Weinen zu bringen. Aber ich fuhr selten zuvor einen so überzeugenden Alleskönner.

Das Geheimnis ist angeblich eine Carbonkostruktion, die über dem Holzkern und einer Fiberglasschicht liegt, die Seitenwangen ummantelt und anders als bisher üblich verbaut wurde. Marketing-Techno-Kauderwelsch, mit dem ich nix anfangen kann. Fakt ist: Den fettesten "Zero G" (108 Millimeter unter der Bindung) hätte ich am liebsten geklaut. Da das nicht gelang, werde ich ihn mir nächstes Jahr wohl kaufen müssen. (Der Zero G soll um die 749,95 Euro kosten.) *seufz*

foto: thomas rottenberg

Freilich: Ein Allroundski ist immer ein Kompromiss. Darum war ich happy, ein paar Wochen später am Arlberg den "Denali" ausprobieren zu dürfen: Ein optisch eigenwilliger, von, für und mit Bergführern entwickelter High-End-Tourenski des Südtiroler Berglabels "Dynafit". Ganz ehrlich? Es war keine Liebe auf den ersten Schwung zwischen mir und dem nur wenig taillierten Leichtgewicht: Aufgrund der Lawinensituation flirteten wir zunächst fast nur auf der Piste. Doch dort gehört der Denali einfach nicht hin. Abseits, im pistennahen Gelände, war das Terrain aber so verspurt, dass es auch mit stabileren und steifen Freeridelatten wenig lustig war. Und das wirklich freie Gelände war - und blieb - aus Sicherheitsgründen "off limits".

foto: thomas rottenberg

Allerdings zeigte der Denali bei ein paar frühmorgendlichen Powder-Runs, als die meisten Leute noch beim Frühstück saßen und in kaum- bis unverspurten Waldzonen, eindrucksvoll, was in ihm steckt. Wow! Umso trauriger, dass das, wofür er gemacht ist - der Aufstieg mit Fellen ins "echte" Gelände - entfiel.

Aber Leute deren Abfahrts-Urteil zum Denali mit meinem praktisch ident ist, werden wohl auch die Steig-Qualitäten des Skis so bewerten, wie ich es getan hätte: Der Denali steht für nächstes Jahr auf meiner Wunschliste. (Heuer kostete der Denali 870 Euro)

foto: dynafit

A propos "Wunschliste": Am Arlberg ist ein Besuch im Sport- und Wasauchimmer-Geschäft "Strolz" für mich Pflicht. Auch, um meine Vorurteile über den Schnösel-Teil der Arlberg-Klientel zu bestätigen. Das Nerz-Austern-Schampus-Juwelen-Dings schwappt hier großartig auf das Ski- und Ausrüstungssegment über.

Und so standen wir staunend vor Skiern, die alles, was Freunde und Bekannte am angeblich "Hochpreisigen" unserer Ausrüstungen monieren, lächerlich scheinen lässt: Ski um 6.000 Euro? Kein Problem!

Bei vielen dieser Bling-Bling-Bretter lächeln die Verkäufer selbst, wenn man sie angrinst. Aber es gibt auch welche, die - angeblich - tatsächlich das Skifahren neu definieren. Bloß kosten sie 8.000 Euro und mehr: Die Schweizer Luxus-Skimacher ZAI etwa stellen im Jahr 1.000 Paar Ski her. Antonio Banderas hat angeblich fünf Paar gekauft.

Man produziert auch Modelle, die zum Bentley in der Garage passen… Nur: Die Ski sollen wirklich der Hammer sein. Der "Spada" etwa hat einen Kern aus Granit um den der Ski herumgezaubert wurde. Dass das in Sachen Stabilität und Laufruhe andere Universen erschließt, glaubte ich gerne.

foto: hersteller
ZAI Spada

Was der kostet? "Wenn Du nach dem Preis fragen musst, kannst du ihn dir nicht leisten" lachte der Händler - und tröstete mich: "Von denen verkaufen wir ein Paar pro Saison. Wenn überhaupt. Und ich träume davon, mir einmal so einen Ski leisten zu können: Weil das bedeutet, dass ich mir noch ganz andere Dinge leisten kann. Dinge, die ich wirklich brauche."

foto: hersteller
Modell von Zai
foto: hersteller
Blizzard Zero G 108
foto: hersteller
Dynafit Denali

(Thomas Rottenberg, derStandard.at, 15.3.2015)

http://www.zillertaler-bergfuehrer.at/

Blizzard

www.dynafit.com

www.zai.ch

www.strolz.at

Hinweis zu den redaktionellen Leitlinien: Der Aufenthalt in Davos war eine Einladung der Marken Blizzard, Uvex, Tecnica und Columbia. Der Aufenthalt am Arlberg erfolgte auf eigene Kosten, die Tourismusverbände von Lech und Stuben sowie das Alpincenter unterstützen Thomas Rottenberg logistisch und fachlich. Alle getesteten Ski wurden zurückgegeben.

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