Vorarlberger SPÖ-Chef Ritsch über SJ-Protest: "Das ist total lieb"

Interview13. März 2015, 14:21
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Der SPÖ-Landesvorsitzende Michael Ritsch kritisiert die Sozialistische Jugend für ihre Protestaktion gegen die Steuerreform

Die Steuerreform sei ein großer Wurf, sagt Vorarlbergs SPÖ-Vorsitzender Michael Ritsch im Gespräch mit derStandard.at. Ein Hunderter mehr pro Monat für Mittelverdiener sei mehr als erwartet.

derStandard.at: Sie gelten als scharfer parteiinterner Kritiker. Wie zufrieden sind Sie mit der Steuerreform?

Ritsch: Ich habe immer gesagt, am Ende muss für die Leute mehr Netto vom Brutto herausschauen. Ein 50er mindestens pro Monat. So, wie es jetzt aussieht, die Details kenne ich aber noch nicht, beträgt die Entlastung bei mittleren Einkommen 100 Euro netto monatlich. Das ist ein großer Wurf. Das hat es in der Geschichte der Steuerreformen noch nie gegeben.

derStandard.at: Befürchtungen, dass neue Belastungen das Einkommen schmälern, haben Sie nicht?

Ritsch: Ich habe die Details zu neuen Belastungen noch nicht gesehen. Gegenfinanzierungsmaßnahmen treffen aber den Mittelverdiener nicht, so mein aktueller Wissensstand. Ich weiß, dass man die Grunderwerbssteuer erhöhen wird. Da sage ich: Ja, endlich!

derStandard.at: Fällt das unter die von Ihnen vehement geforderte Reichensteuern?

Ritsch: Ja, natürlich. Seit 30 Jahren diskutieren wir über die Grunderwerbssteuer, die ja ein Witz ist so, wie sie bisher ausgesehen hat. Wenn die Erhöhung nur, sagen wir einmal, 20 Euro jährlich ausmacht, dann interessiert mich das nicht. Wesentlich ist für mich mehr Netto vom Brutto, und das haben wir erreicht.

derStandard.at: Der erhöhte Spitzensteuersatz von 55 Prozent – ist das die von Ihnen gewünschte Millionärsabgabe?

Ritsch: Das ist perfekt. Und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

derStandard.at: Aber es trifft nur wenige.

Ritsch: Ja, aber wenigstens trifft es die wenigen.

derStandard.at: Die Sozialistische Jugend will aber demonstrieren, sie ist nicht zufrieden.

Ritsch: Ja, das ist total lieb. Aber da habe ich null Verständnis. Endlich entlastet man. Wenn sie schon demonstrieren wollen, sollen sie das vor der ÖVP-Parteizentrale tun. Dort sind die Verhinderer. Man sollte aber auch als Jungsozi wissen, dass man in einer Koalition nicht alles durchsetzen kann. Der Kompromiss, ein Hunderter mehr pro Monat, ist durchaus vorzeigbar. (Jutta Berger, derStandard.at, 13.3.2015)

  • Michael Ritsch über die Medienaktion der Sozialistischen Jugend: "Das ist total lieb."
    foto: apa/georg hochmuth

    Michael Ritsch über die Medienaktion der Sozialistischen Jugend: "Das ist total lieb."

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