Krise zwingt Russland zu weiterer Zinssenkung

13. März 2015, 12:38
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Die Zentralbank befürchtet wegen der westlichen Sanktionen und des Preisverfalls beim Öl eine Rezession, der Leitzins sinkt auf 14 Prozent

Moskau - Die russische Zentralbank senkt wegen der schweren Wirtschaftskrise ihren Leitzins. Dieser werde von 15 auf 14 Prozent zurückgenommen, gab sie am Freitag in Moskau bekannt. Es handelt sich bereits um die zweite Zinssenkung in diesem Jahr, nachdem der Leitzins zu Jahresbeginn noch bei 17 Prozent gelegen hatte.

Falls nötig, seien noch weitere Zinsschritte möglich, erklärte die Zentralbank mit Hinweisen "auf eine deutliche Konjunkturabkühlung". Wegen der westlichen Sanktionen und der Preisverfalls des wichtigsten Exportguts Öl befürchtet die Zentralbank eine Rezession.

Das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte in diesen Jahr zwischen 3,5 und 4,0 Prozent schrumpfen, erklärte sie. Sinkende Zinsen machen Kredite für Investitionen und Konsum billiger, was die Konjunktur anschieben kann.

VTB bekommt Sanktionen zu spüren

Der russischen Großbank VTB machen die Sanktionen des Westens und die heimische Wirtschaftskrise immer stärker zu schaffen. VTB schrieb 2014 den Angaben vom Freitag zufolge insgesamt zwar noch schwarze Zahlen, doch im letzten Vierteljahr dürfte ein Minus angefallen sein. Das wäre der erste Quartalsverlust seit 2009.

In Russland erschwert der auch durch den Ölpreisverfall ausgelöste Konjunkturabschwung vielen Bankkunden die Rückzahlung von Verbindlichkeiten.

Dieser Anstieg fauler Kredite zwang VTB zu einer höheren Risikovorsorge. Das habe die Gewinne geschmälert, hieß es weiter. Das Geldhaus wies für die ersten neun Monate 2014 einen Gewinn von 5,4 Mrd. Rubel (83,7 Mio. Euro) aus, für das Gesamtjahr aber nur noch von 800 Mio. Rubel. Das ergibt einen Fehlbetrag von 4,6 Mrd. Rubel im letzten Vierteljahr. Durch die im Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen gegen Russland ist der Zugang der Banken wie auch des VTB-Rivalen Sberbank zum internationalen Finanzmarkt beschränkt. VTB wurde bereits mit Kapitalspritzen des Staates versorgt. (APA/red, derStandard.at,13.3.2015)

  • Die Zentralbank kappte am Freitag den Leitzins auf 14 von zuvor 15 Prozent. Sie hatte bisher versucht, mit hohen Zinsen den Wertverfall des Rubel zu stoppen.
    foto: ap/burgi

    Die Zentralbank kappte am Freitag den Leitzins auf 14 von zuvor 15 Prozent. Sie hatte bisher versucht, mit hohen Zinsen den Wertverfall des Rubel zu stoppen.

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