Beschnackselbares Kärnten

13. März 2015, 17:00
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Lustvolle Auswege aus der Finanzkrise

Zwei Megatrends der 2010er stehen jetzt schon fest: Drinnen wird häufiger gefacebookt, draußen häufiger kopuliert. Facebook ist ja deshalb solch ein Erfolg, weil es einem erlaubt, mit "Freunden", die man weder kenn, noch braucht, "sozial" zu verkehren, ohne bei jedem Sauwetter ins Freie zu müssen.

Im Aufwärtstrend ist aber auch der aushäusige GV, möglicherweise als Ausgleich für die vermehrte Stubenhockerei. Ein besonders markanter Fall von Freiluftsex hat diese Woche die internationalen Medien aufhecheln lassen: Im Internet - wo sonst - ist ein Video aufgetaucht, in dem das russische Pornostarlet "Aurita" (23) vor den ägyptischen Pyramiden schweinigelt. Die Ägypter fanden's nicht lustig. Ihnen sind die Pyramiden an sich spitz genug.

Aber so ist das nun einmal: Die Leute stehen einfach darauf, vor berühmten Bauwerken zu kopulieren, wurscht ob vor dem Petersdom, dem Pentagon oder dem Hypo-Hauptquartier in Klagenfurt. Hernach wird die Dokumentation auf Youporn hochgeladen, um alle neidisch zu machen, die es sich nicht leisten könne, anderswo als zu Hause in ihrer öden Kiste herumzukoitieren. Das Ganze ist zum Volkssport geworden. Die französischen Flics verbringen die Hälfte ihrer Arbeitszeit damit, Nackerte vom Eiffelturm herunterzuscheuchen, während die britischen Bobbys kaum mehr damit nachkommen, den Buckingham Palace rammelfrei zu halten.

Hier ein Vorschlag des stets konstruktiven Krisenkolumnisten: Auch Österreich sollte sich diesem obszönen Freizeittrend anschließen und mit seinen pittoresken Kopulationskulissen zur Kasse bitten. Selbstverständlich muss das Angebot gut gestaffelt sein. Ein GV auf einem Acker in Hinterstoder kommt billig, für einen GV im Musikvereinssaal muss man tief in die Tasche greifen. Vor allem während des Neujahrskonzerts.

Für unser südliches Problembundesland schlage ich die Werbelinie "Beschnackselbares Kärnten" vor: Ausgreifen in Griffen, biologisch-dynamisches Gedenkschmaucheln im gamsigen Gurk, feuchte Wohlfühl-Wochenende auf dem Bauernhof der Gebrüder Scheuch. Sex vor dem Lindwurm gibt's um 250 Euro, Sex mit dem Lindwurm nur gegen Aufpreis. Geld können die Kärntner derzeit gut gebrauchen, und auf die Art kommt etwas zusammen. Und das Beste: lustvoll noch dazu! (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 14./15.3.2015)

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