Wie sich aus Asche Geld machen lässt

16. März 2015, 09:00
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Ihre Tage sind gezählt. Manche der einst stinkenden Tschicksammler machen aber bereits heute eine neue Karriere: als Wertanlage

Wien - Eigentlich waren sie stets Underdogs - wenig beachtete Gefäße aus Glas, Kristall, Keramik oder Kupfer, in die Raucher mit spitzen Fingern die Reste ihrer mit Speichel getränkten, gelblich gefärbten Zigarettenkippen zerquetschen. Ihre Geschichte geht einher mit der Verbreitung der Zigarette, der kleinen Zigarre. 1881 wurde in den USA die erste Zigarettenmaschine patentiert.

Doch trotz Massenfertigung konnten sich nicht alle Bevölkerungsschichten den Genuss des blauen Dunsts leisten. Zigaretten bekamen Kultstatus, mit denen weltmännische Überlegenheit, elegante Lebensweise oder Abenteuerlust demonstriert wurden. Mit ihnen kamen Raucherutensilien wie Feuerzeuge oder Aschenbecher in Mode. Keramik-und Glashersteller rochen die Chance für ein Zusatzgeschäft: mit an den Zeitstil angepassten Gefäßen, in denen sich brennende Zigaretten vorübergehend ablegen und schließlich ausdrücken ließen.

Dem Geschmack waren keine Grenzen gesetzt. US-Keramikhersteller Brush-MacCoy fabrizierte etwa nach Luft schnappende Frösche, Konkurrent Red Wing verlieh seinen Aschern Flügel. In Großbritannien verkünstelte Wedgwood sich mit kobaltblauer Jasperware, um für das gehobene Publikum Aschenbecher mit griechisch-göttlichen Szenen für die irdischen Tabaküberreste wohlfeil zu halten. Geschirrfabrikant Royal Doulton versuchte mit "ash receiver" (Ascheaufnehmern), die Köpfen bekannter komischer Käuze glichen, Käufer zu gewinnen.

Desgleichen gab es Tschickkübel aus Glas, gepresst, geblasen oder geschliffen, fragil und mörderisch schwer. Im 20. Jahrhundert rückten Stücke aus Metall ins Zentrum gezielt abgestreifter Zigarettenasche, gefolgt vom Plastikhype der 1960er-Jahre.

Werbeträger

In Zeiten, in denen Rauchen noch als schick galt, in Flugzeugen, Zügen oder Hörsälen erlaubt war, verbreiteten sich Aschenbecher auch rasch als Werbeträger. Für Tabak- oder Biermarken, für Hotels oder Kasinos. Reifenproduzenten umgürteten Glasflundern mit Gummipneus, Spirituosenhersteller rückten Napoleon ins Mittelfeld der Aschenempfängnis, Städte und Tourismusregionen ihre Sehenswürdigkeiten.

Wie kreativ, kunstvoll und kitschig Aschenbecher sein können, lässt sich im Museum der US-City Oroville bestaunen. Dieses beherbergt eine 8000 Stück umfassende Sammlung, die der 2012 verstorbene ehemalige Postmitarbeiter Dean Lantrip im Laufe seines 77-jährigen Lebens aus der ganzen Welt zusammengetragen hat.

Versuche, Rauchen zu verbieten, gab es aus unterschiedlichen Gründen über Jahrhunderte hinweg immer wieder, lösten sich aber stets in blauem Dunst auf.

Vielfach von der Zigarettenindustrie finanzierte Studien bliesen Gesundheitsrisiken lange als unbegründet in den Wind. In den 1950er-Jahren galt Rauchen am Steuer beispielsweise gar als medizinisch empfehlenswert, da Nikotin wachhalte und deshalb zur Sicherheit im Straßenverkehr beitrage.

Doch Zug um Zug setzte sich das Wissen um die giftigen Stoffe im Tabakrauch durch. Mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein und sukzessiv um sich greifendem Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants, verlieren Aschenbecher ihre ursprüngliche Attraktivität, gewinnen aber gleichzeitig an Interesse: als Wertanlage.

Zwar ist es wenig wahrscheinlich, dass man mit einem einst gefladerten Exemplar aus Asche Geld machen kann. Nur für wenige Exemplare dürften 3230 Dollar gezahlt werden, wie für einen Keramikaschenbecher in Form eines Bären von der kalifornischen Pazifikinsel Santa Catalina.

Doch ein Blick auf Antiquitätenwebsites wie Rubylane.com zeigt, dass die Preise für ausgefallene Stücke, die vor wenigen Jahren vielleicht noch wenige Dollar kosteten, anziehen. Das hängt natürlich teilweise mit dem Alter der Stücke und der Spezialisierung von Sammlern zusammen. Doch auch die ehedem auf der Italienreise erstandenen Glas-Aschenbecher aus Murano, die in manchen Kästen im hintersten Winkel vor sich hin verstauben, rücken zunehmend in den Sammlerfokus.

Zu den Überfliegern gehören die von der Metalcraft Company of Toronto gefertigten, mit Flugzeugen verzierten Stand-Aschenbecher, die in den 40er- und 50er-Jahren sehr populär waren und heute um bis zu 1000 Dollar gehandelt werden. So gesehen mag sich der eine oder andere Raucher mit dem Gedanken anfreunden, dass auch leere Aschenbecher glücklich machen können. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 13.3.2015)

  • Aschenbecher als Wertanlage: Pfui Spinne - mancher Aschenbecher ist ein Kunstwerk.
    foto: picasa

    Aschenbecher als Wertanlage: Pfui Spinne - mancher Aschenbecher ist ein Kunstwerk.

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