Gericht lässt Berufung gegen Pistorius-Urteil zu

13. März 2015, 09:37
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Der Prozess gegen den Sprinter wandert in die nächste Instanz, die Staatsanwaltschaft will eine Verurteilung wegen Mordes erreichen

Johannesburg - Der Prozess gegen Oscar Pistorius wird wieder aufgerollt. Auf den beinamputierten Sprinter kommt ein Berufungsverfahren zu, wie am Freitag in Johannesburg bekannt wurde. Der Ex-Sportstar war vor einem halben Jahr wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft will in der Berufung eine Verurteilung wegen Mordes erreichen, dann droht höheres Strafmaß.

Richterin Thokozile Masipa sagte am Freitag in Johannesburg, die Einwände von Pistorius' Anwälten gegen eine Berufung seien nicht ausreichend. Pistorius hatte seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 mit vier Schüssen durch eine geschlossene Badezimmertür getötet. Der heute 28-Jährige beteuert, er habe einen Einbrecher im Haus vermutet.

Keine neuen Zeugen

Das Berufungsverfahren wird vor einem höheren Gericht in Bloemfontein verhandelt werden, voraussichtlich in den kommenden Monaten. Dabei werden keine neuen Zeugen gehört werden, sondern nur die Prozessunterlagen der ersten Instanz überprüft. Sollten die Richter Pistorius des Mordes für schuldig befinden, können sie auch ein neues Strafmaß verhängen. Mit seinem bisherigen Strafmaß - fünf Jahre Haft - aus dem vergangenen Jahr könnte der frühere Superstar schon nach zehn Monaten aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt werden.

Richterin Masipa hatte eine Berufung bereits im Dezember zugelassen, die Verteidigung versuchte diese jedoch mit verfahrensrechtlichen Argumenten zu verhindern. Masipa sagte am Freitag, sie könne dem Antrag der Verteidigung nicht stattgeben, da sie damit ihre eigene Entscheidung widerrufen würde.

Pistorius wurden als Kind beide Beine amputiert. Mit Hilfe von Hightech-Prothesen machte er bei Paralympics und auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London Furore. (APA, 13.3.2015)


Chronologie

Februar 2013: Nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp wird Pistorius als Mordverdächtiger festgenommen. Er habe geglaubt, auf Einbrecher zu schießen, sagt er. Gegen Kaution und Auflagen kommt er überraschend frei.

August 2013: Es wird bekannt, dass sich Pistorius von März 2014 an vor Gericht verantworten muss.

März 2014: Zum Prozessbeginn beteuert er erneut seine Unschuld.

April 2014: Nach mehrtägigem Kreuzverhör sieht die Staatsanwaltschaft Widersprüche in seinen Aussagen und ist weiter davon überzeugt, dass Pistorius seine Freundin absichtlich erschossen hat.

Mai 2014: Der Angeklagte wird auf Anordnung des Gerichts Tagespatient in der Psychiatrie, um seine Schuldfähigkeit zu prüfen. Eine Psychiaterin hatte Pistorius eine Angststörung bescheinigt.

Juni 2014: Pistorius ist Gutachtern zufolge voll schuldfähig.

August 2014: Im Plädoyer erneuert der Chefankläger seinen Mordvorwurf, der Verteidiger fordert Freispruch.

September 2014: Pistorius entgeht einer Verurteilung wegen Mordes. Die Richterin spricht ihn wegen fahrlässiger Tötung schuldig. Er bleibt bis zur Verkündung des Strafmaßes gegen Kaution in Freiheit.

Oktober 2014: Pistorius wird zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Dezember 2014: Der Prozess wird neu aufgerollt. Die Richterin gibt dem Berufungsantrag der Staatsanwaltschaft statt, die Pistorius wegen Mordes verurteilt sehen will.

Februar 2015: Pistorius' Anwälte hätten rechtliche Schritte gegen ein Berufungsverfahren eingelegt, sagt eine Sprecherin der Familie. Im März erklärt die Richterin, die Einwände von Pistorius' Anwälten gegen eine Berufung seien nicht ausreichend.

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