14 Jahre später: Serena Williams kehrt nach Indian Wells zurück

13. März 2015, 07:28
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Die Weltranglisten-Leaderin spielt erstmals seit einem rassistischen Eklat 2001 wieder in Kalifornien

Indian Wells - Die Zeit heilt eben doch manche Wunden. Auch die von Serena Williams. Die Schlüsselfigur bei einem der spektakulärsten Comebacks der Tennisgeschichte heißt allerdings Oracene Price. "Meine Mutter", sagt Serena Williams, "hat mir beigebracht zu lieben – und zu vergeben."

Und weil das so ist, wird die Weltranglistenerste 14 Jahre nach der Demütigung von Indian Wells zurückkehren, auf die paradiesische Anlage in der kalifornischen Wüste. Am Freitag steht für die jüngere Williams-Schwester das Auftaktmatch gegen die Rumänin Monika Niculescu an.

Es wird nach dem Rassismusskandal von 2001 ein ganz besonderes sein. "Ich habe auf mein Herz gehört. Ich spiele mit viel Liebe für diesen Sport. Und mit dieser Liebe werde ich stolz den Platz betreten", kündigte die 33-jährige voller Pathos an.

Serena Williams hat vergeben, nicht aber vergessen. Die Vorkommnisse von einst haben sich eingebrannt ins Gedächtnis der 19-fachen Grand-Slam-Siegerin. Damals waren sie und ihre Familie während des gewonnenen Finales gegen die Belgierin Kim Clijsters von den Zuschauern übelst beleidigt und ausgebuht worden.

Angriffe und Tränen

Es war eine Reaktion auf die verletzungsbedingte Absage von Williams' Schwester Venus für das Halbfinale zwei Tage zuvor gegen die damals 19-jährige Serena. Einige äußerten sogar den Verdacht, Vater Richard habe seine ältere Tochter ohne Not aus dem Verkehr gezogen, um einen Sister Act zu vermeiden.

Papa Williams schlug zurück und erhob einen pauschalen Rassismusvorwurf gegen das Publikum: "Die Weißen von Indian Wells haben uns das zugerufen, was sie uns schon lange sagen wollten: Bleibt weg von hier." Serena Williams vermutete sogar, dass bei Richard "böse Erinnerungen" an seine Jugend in den Südstaaten hochgekommen seien.

Sie hat jüngst in einer Kolumne des Magazins "Time" beschrieben, wie sie nach dem Endspiel in der Kabine mit dem Pokal in der Hand hemmungslos geweint habe über ihre "größte Niederlage" überhaupt – "nicht in einem Tennisspiel, sondern im Kampf um Gleichberechtigung". In ihrer Autobiografie "Queen of the Court" nennt sie die Beschimpfungen "eine Art vornehmen Lynchmob".

Was wäre, wenn

Williams, die in einem Problemviertel von Los Angeles aufwuchs, hat sich die Rückkehr nicht leicht gemacht. "Ich habe immer wieder daran gedacht, was passiert, wenn mich die Menge erneut ausbuht. Der Albtraum würde wieder beginnen", berichtete Williams, die seit ihrem Sieg bei den Australian Open Ende Jänner kein Match mehr auf der WTA-Tour bestritten hat.

Ein Grund für das Comeback in Indian Wells war aus ihrer Sicht auch die rigorose Bestrafung von Schamil Tarpischew durch die Spielerinnen-Organisation WTA. Der Präsident des russischen Tennisverbands hatte die Williams-Schwestern vor ein paar Monaten scherzhaft als "Williams-Brüder" bezeichnet. Tarpischew wurde daraufhin von der WTA für ein Jahr gesperrt und mit einer Geldstrafe von 20.000 Euro belegt. "Die Dinge haben sich geändert", stellte Serena Williams seinerzeit zufrieden fest.

Ihre Schwester Venus sieht das offenbar anders. Die 34-Jährige, derzeit Nummer 17 der Welt, fehlt in Indian Wells. Nicht alle Wunden verheilen gleich schnell. (sid, red, 13.3.2015)

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    Williams bei ihrem letzten Auftritt in Indian Wells – 2001.

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    Hört auf ihr Herz: Serena Williams.

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