"Das ist echt Kacke. Das ist eine große Kacke"

12. März 2015, 17:40
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"Angry Young Men" vom Aktionstheater Ensemble erforscht, woher der Zorn der Männer kommt. Derzeit zu Gast im Hamakom-Theater

Wien - Männer drehen durch. Sie gehen als Kampfmaschinen in den Mittleren Osten, sie laufen Amok und schicken als Erklärung xenophobe Pamphlete hinterher, sie töten in religiöser Mission, oder weil sie die Verhältnisse einmal aus den Angeln heben wollen. In Angry Young Men des Aktionstheater Ensembles geht es um eine radikalisierte junge Männergeneration und die Frage, woher deren Zorn kommt.

Nach der Uraufführung in Bregenz ist das Stück derzeit im Wiener Hamakom-Theater zu sehen. Es gehört zur "Riot Dancer"-Tetralogie des Ensembles, die anhand eigener Recherchen (Interviews) Themen der Gegenwart untersucht.

In Camouflagehosen und Ruderleiberln begeben sich fünf Schauspieler an ihre auf der Bühne aufgestellten Feldbetten. Es ist immer irgendwie Krieg. Wenn auch nur in den Köpfen. Schon als Kinder, erzählen sie, haben sie mit Hingabe Matchboxautos zerstört oder die Oberfläche von perfekt glänzenden Butterquadern im Supermarktregal. Vieles kann im rechten Moment eben eine Provokation sein.

Dabei entwickelt das Verbatim-Theater, d. h. der aus den Interviews originalgetreu beibehaltene Sprechduktus (verdichtet von Wolfgang Mörth) eine besondere Wirkung (Beispiel: "Okay, die sieht jetzt einfach richtig gut aus, fertig. Ist ja okay. Kann ja, muss man ja nicht gleich Ding").

Angry Young Men ist kein Testosteron-Spektakel; die puristisch schöne Inszenierung von Martin Gruber durchbricht das Ansinnen einer kraftmeiernden Männerschablone mit irritierend zartem Gesang und Tanz, am Schlagzeug: Andreas Dauböck.

Von Super Mario zur RAF ist es aber doch ein weiter Weg. Der in der Inszenierung schleichend eingebaute Übergang zu Zitaten exponierter Terroristen wie Mohammed Atta, Holger Meins oder Anders Breivik kam schließlich doch einer arg verkürzten Welterklärung gleich. Diesen Fingerzeig hätte es auch gar nicht gebraucht. Die Verunsicherungen der eigenen Identität waren schon Stoff genug. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 13.3.2015)

Termine im Hamakom: 13. bis 15. März, 14. bis 16. Mai

  • Sehnen dehnen, Fäuste ballen und schreien. Aber auch über die Liebe reden und Falsett singen: Robert Finster und Alexander Meile (re.) als "Angry Young Men".
    foto: gerhard breitwieser

    Sehnen dehnen, Fäuste ballen und schreien. Aber auch über die Liebe reden und Falsett singen: Robert Finster und Alexander Meile (re.) als "Angry Young Men".


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