Ungarn hat einen Broker-Skandal

12. März 2015, 17:20
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Vorwurf: Veruntreuung, Betrug

Verhaftungen, gesperrte Konten und wütende Anleger - Ungarn hat einen handfesten Broker-Skandal. Bisher sind drei Broker-Firmen, darunter eine mit exzellenten Verbindungen zur Regierung des Rechtspopulisten Viktor Orbán, behördlich geschlossen worden. Die Behörden werfen ihnen schweren Betrug, Veruntreuung von Kundengeldern im Ausmaß von einer halben Milliarde Euro und Buchhaltungsmanipulationen vor.

Am Mittwoch verhängte das Bezirksgericht Buda Untersuchungshaft über drei Spitzenmanager des Broker-Hauses Buda-Cash, unter ihnen Generaldirektor Péter Tölgyesi. Diesem Unternehmen hatte die Nationalbank bereits Ende Februar die Betriebsgenehmigung entzogen. Es soll seine Kunden um rund 100 Mrd. Forint (330 Mio. Euro) geprellt haben. Unter ihnen sind vor allem institutionelle Anleger, in erster Linie Gemeindeverwaltungen. Betroffen ist auch die Gesundheitsversicherungskasse für 1200 Mitarbeiter der Geheimdienste.

Hohe Verluste

Experten zufolge schleppte Buda-Cash über viele Jahre hindurch horrende Verluste mit sich, die das Broker-Haus durch die Veranlagung von jeweils neuen Kundengeldern kaschierte - gleichermaßen ein gigantisches "Pyramidenspiel" betreibend. Zu Monatsbeginn kollabierte der viel kleinere Broker Hungaria Ertekpapir aus Cegléd bei Budapest. Ein größerer Fisch, das Budapester Broker-Haus Quaestor, meldete am Montag Insolvenz an. Als Grund gab das Unternehmen die "Panik" an, die der Buda-Cash-Kollaps auf dem Wertpapiermarkt angerichtet hätte. Doch auch hier wurde plötzlich klar: Quaestor dürfte Obligationen im Wert von 60 Mrd. Forint aufgelegt haben, die nicht die nötige Deckung hatten.

Der Chef der Broker-Firma Csaba Tarsoly gilt als Vertrauter von Außenminister Péter Szijjártó. Er ist Präsident des Fußballvereins ETO Györ. (Gregor Mayer aus Budapest, DER STANDARD, 13.3.2015)

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