Milliardengeschäft mit Hindernissen

Ansichtssache13. März 2015, 06:56
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Das britische Cheltenham Festival der Reiterei scheidet die Geister und erfreut die Wettgemeinde

Cheltenham/Wien - Mit der 87. Auflage des Rennens um den Gold Cup wird das alljährlich im März aufgeführte Cheltenham Festival abgeschlossen - für die Fans die Krone des Hindernisrennsports, für die Kritiker eine mehrtägige Tierquälerei. Wenn die Rennen auf der Strecke im südwestenglischen Badort nahe Gloucester auch bei weitem nicht so berüchtigt sind wie die Velká Pardubická in Tschechien oder das Grand National in Aintree bei Liverpool, so ist das statistische Risiko für Pferde (und Reiter) auf dem Cheltenham Racecourse doch höher als auf vergleichbaren Bahnen. Im Vorjahr fielen den Rennen zum Beispiel drei Pferde zum Opfer. Das liegt unter anderem an den relativ starken Starterfeldern, an "steiferen" Hindernissen, aber auch an schwierigen, weil unterschiedlichen Bodenverhältnissen auf einzelnen Bahnabschnitten. Auch der Anstieg vor dem Ziel ist eine spezielle Herausforderung für die Rösser.

Pferde und Wetten

Unbestritten ist die Popularität des Festivals unter Millionen Turf-Fans in England, Irland und vom Kontinent. 250.000 Zuseher werden auch heuer wieder an der Bahn gewesen sein, allerdings kaum Publikum, wie es bei den prominenten Meetings in Ascot oder Epsom anzutreffen ist. Während es da auch sehr stark um Mode geht, und dort ein Volksfest gefeiert wird, stehen in Cheltenham Pferde, Reiter und Wetten im Vordergrund - und die nationale Rivalität zwischen Engländern und Iren. Die Liveübertragungen in Wettbüros und im Netz vervielfachen die Resonanz. Mit insgesamt 3,8 Millionen Pfund, also rund 5,7 Millionen Euro, waren die heurigen 27 Rennen dotiert. An weltweitem Wettumsatz dürften sie jedoch eine Milliarde Pfund (1,41 Milliarden Euro) generieren. Die Leistungen der teilnehmenden Pferde werden von Fans und Wettern im Hinblick auf Cheltenham monatelang im Voraus beobachtet.

4300 Siege

Unter der Jockey-Elite, die im Meeting auftritt, war heuer besonders Tony McCoy zu erwähnen. Der 19-fache englische Champion - er ist auch mit rund 4300 Siegen der erfolgreichste Hindernisjockey der Welt - gab Cheltenham zum letzten Mal die Ehre. Der 45-Jährigen beendet im Mai seine Karriere. Der Star seiner Zunft ist allerdings Ruby Walsh. Der 35-jährige Ire war seit 2004 achtmal erfolgreichster Reiter des Meetings und eröffnete heuer gleich mit einer Dreierserie. Wäre er im nächsten Rennen auf der favorisierten Stute Annie Power nicht bei der letzten Hürde gestürzt, die Buchmacher wären um 113 Millionen Euro ärmer. (dol, lü, DER STANDARD, 13.3.2015)

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