Deutsche Pension mit 63: Nicht herumdoktern

Kommentar12. März 2015, 17:15
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Klüger wäre es, über eine Reform des gesamten Systems nachzudenken

Dieses Volk! Es ist wirklich manchmal recht unberechenbar und nimmt einfach hemmungslos Angebote wahr, die ihm die Politik macht. In Deutschland ist der Ansturm auf die abschlagsfreie Frühpension mit 63 statt 65 Jahren so groß, dass so mancher Unionspolitiker erschaudert - ganz nach dem Motto: Ja, dürfen's denn das?

Sie dürfen. Das Recht gibt den Menschen, die nicht so lange arbeiten wollen, nämlich die große Koalition. Die hat im Vorjahr recht rasch die "Rente mit 63", wie sie in Deutschland heißt, beschlossen. Diese war eine Herzensangelegenheit der Sozialdemokraten, und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wusste, sie bekommt die SPD nur in die große Koalition, wenn sie, nebst dem Mindestlohn, dieses Zugeständnis macht.

Die Klagen der Wirtschaftspolitiker von CDU und CSU, dass das für künftige Pensionsbezieher noch teuer werden könnte, sind zwar nicht von der Hand zu weisen, aber dennoch merkwürdig. Das wusste man nämlich auch vorher, es war einer der Hauptkritikpunkte an der "Rente mit 63". Vergessen wird auch, dass die Union dafür ihre - wesentlich teurere - "Mütterrente" bekommen hat.

Jetzt an einem Punkt des Pensionspakets wieder herumzudoktern, ist nicht sinnvoll. Auch in Deutschland sind das gesetzliche und das tatsächliche Pensionsantrittsalter noch längst nicht deckungsgleich. Klüger wäre es, über eine Reform des gesamten Systems nachzudenken. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 13.3.2015)

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