Wie der antarktische Krake Temperaturen unter Null überlebt

13. März 2015, 18:37
9 Postings

Der achtarmige Pareledone charcoti stimmt sich auf die Extrembedingungen in der Antarktis perfekt ab - aber auch klimatische Veränderungen können ihm nichts anhaben

Bremerhaven - Blaues Blut ist ein ganz besonderer Saft. Mit dem Blutpigment Hämocyanin versorgen Kraken ihr Gewebe auch bei den eisigen Temperaturen der Antarktis mit Sauerstoff. Auch antarktische Fische stimmten ihre Atmung im Lauf der Evolution auf die Umwelt ab - der achtarmige Tintenfisch hat ihnen aber etwas voraus. Wissenschafter des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) entdeckten die einzigartige Fähigkeit des Kraken Pareledone charcoti, sich sowohl an niedrige, als auch an wärmere Temperaturen besser als die Tiere seiner Umgebung anzupassen.

Im salzigen Meerwasser der Antarktis sinken die Wassertemperaturen nicht selten auf unter null Grad Celsius. Der Sauerstoff verteilt sich dann nur sehr langsam im Blut der Meeresbewohner. Dafür profitieren sie von seiner gesteigerten Löslichkeit: Je kälter es wird, umso mehr von dem lebenswichtigen Stoff löst sich im Wasser. Um sich damit zu versorgen, brauchen Fische nur wenige Pigmente wie das rote Hämoglobin, das auch in der menschlichen Sauerstoffversorgung eine zentrale Rolle einnimmt.

Der Nutzen des blauen Blutes

Der Krake nutzt stattdessen das blaue Hämocyanin, und davon reichlich. Bei der antarktischen Art Pareledone charcoti maßen die Wissenschafter die bisher höchste Konzentration des Blutpigments unter allen Krakenarten. "Dies ist die erste Studie, die klare Hinweise darauf liefert, dass funktionelle Änderungen des blauen Blutpigments der Kraken für eine bessere Sauerstoffversorgung im Gewebe bei Temperaturen unter null Grad Celsius sorgen", sagt Erstautor Michael Oellermann vom AWI.

Auch die anderen Spezialisten unter den Tieren der Antarktis können mit der Kälte gut umgehen, die fortschreitende Erwärmung der Gewässer setzt sie aber zunehmend unter Druck. Pareledone charcoti hingegen profitiert auch hier von seinem blauen Blut. Dem sinkenden Sauerstoffgehalt im wärmeren Wasser entgegnet das Hämocyanin mit verbesserter Funktion. Das Blutpigment versorgt das Gewebe bei zehn Grad Celsius deutlich besser als bei null Grad.

Die Erwärmung rund um die Antarktische Halbinsel stellt für den Kraken also dank seiner einzigartigen Anpassungsfähigkeit keine Gefährdung da. (red, derStandard.at, 13.3.2015)

  • Unter null Grad und noch immer nicht tot: Das blaue Blutpigment Hämocyanin sichert dem antarktischen Kraken das Überleben unter extremen Bedingungen.
    foto: tomas lundälv

    Unter null Grad und noch immer nicht tot: Das blaue Blutpigment Hämocyanin sichert dem antarktischen Kraken das Überleben unter extremen Bedingungen.

Share if you care.