40 Tonnen Plastik gelangen pro Jahr in die Donau

12. März 2015, 13:07
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Erste Untersuchungsergebnisse liegen vor: Mikroplastik ist nicht nur im Meer ein Problem

Plastik ist nicht nur in den Weltmeeren ein steigendes Problem. Mikroplastik, also Kunststoffteile von weniger als fünf Millimeter Größe, schwimmen auch in der Donau. Rund 40 Tonnen an Plastik gelangen in Österreich laut einer Untersuchung des Umweltbundesamtes jährlich in die Donau.

Es war eine zufällige Entdeckung: Eigentlich sollte die Verbreitung von Fischlarven untersucht werden. Daraufhin wurde eine umfassende Studie durchgeführt, die vom Bund und den Ländern Oberösterreich, Niederösterreich und Wien durchgeführt und finanziert wird. Mit einem Zehn-Punkte-Programm, das am Donnerstag bei einer Pressekonferenz präsentiert worden ist, will Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) nun gegensteuern.

Keine Rückstände in Fischen

Bei der Studie wurde die Donau erstmals systematisch auf Plastikrückstände untersucht. Um genau festzustellen, wie viel Plastik aus Österreich in den durch mehrere Länder fließenden Fluss gelangt, wurden rund 300 Proben nahe der Eintrittsstelle der Donau in Aschach in Oberösterreich sowie in Hainburg in Niederösterreich entnommen, wo das Gewässer wieder abfließt.

Das Fazit: "Leider liefern auch wir mit unserem Lebensstil in Österreich einen Beitrag", sagte Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes. In Zahlen sind dies rund 40 Tonnen pro Jahr. In Fischen selbst wurden allerdings keine Plastikrückstände gefunden.

"Diffuse Quellen" vermüllen Donau

Das Plastik stammte zu 87 Prozent aus "diffusen" Quellen wie weggeworfenen Gebrauchsgütern, Folien, Fasern oder gesäumtem Kunststoff, die nicht genau zugeordnet werden können. Bei 13 Prozent (zehn Prozent Pellets und drei Prozent Flakes) handelte es sich um industrielle Rohstoffe.

Andere Studien wie etwa von Wissenschaftern der Uni Wien im Jahr 2014 kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass rund 80 Prozent des Plastikmülls aus der Industrie stammten. Kienzl erklärte dies damit, dass bei den Vorgänger-Untersuchungen nur einzelne Fragmente der Donau untersucht worden sind.

EU-weiter Grenzwert notwendig

"Auf Basis der nun vorliegenden Daten können wir weitere Schritte in Angriff nehmen", kündigte Rupprechter an. Der Minister will nun mit einem "Zehn-Punkte-Plan" gegensteuern. Da eine nationale Höchstgrenze für einen mehrere Länder durchquerenden Fluss wenig Sinn macht, will der Minister etwa einen EU-weiten einheitlichen Grenzwert für Plastik in Gewässern erreichen.

Auch die Messmethoden sollen vereinheitlicht werden. Mit der Industrie schloss Rupprechter eine "Zero Pellets Loss Initiative", um auf freiwilliger Basis mit technologischen Verbesserung den industriellen Anteil zu senken. Mittels Bewusstseinsbildung soll auch das achtlose Wegwerfen - das sogenannte Littering - von Plastikprodukten eingedämmt werden.

Die Untersuchung des Umweltbundesamtes war Teil der bisher umfangreichsten Untersuchungen der gesamten Donau, bei der ein internationales Team aus 20 Wissenschaftern im Jahr 2013 sechs Wochen lang 2.400 Kilometer Donaustrecke an 68 Probenstellen in 14 Ländern untersucht hat.

800 einzelne Parameter wurden dabei unter die Lupe genommen. Festgestellt wurde ein "erfreulich hohes Maß an biologischer Vielfalt mit insgesamt 1.300 Arten, darunter 67 Fischarten". Nährstoffbelastungen durch Stickstoff und Phosphor sind gesunken. Verbesserungswürdig sind Lebensraumstrukturen, die Wandermöglichkeiten für Fische, Überflutungsräume und die Anbindung der Auen.

foto: boku/liedermann
Linkes Bild: Messgerät zur Plastikbeprobung vor der Messung; Mitte: Absenken des Messgeräts; rechtes Bild: das Messgerät nach der Beprobung.

Driftnetzkonstruktion

Das Umweltbundesamt untersuchte gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur die Plastikabschwemmung. Dafür wurde eine eigene Driftnetzkonstruktion entwickelt, um zumindest den Mikroplastikanteil von 0,5 bis fünf Millimeter stichprobenartig aus der Donau zu fischen.

Nicht erfasst werden dabei viele Kunststoffteilchen, die vor allem von Kosmetika, Duschgels, Zahnpasten beziehungsweise beim Waschen von Textilien ins Abwasser gelangen. Diese sind oft kleiner als 0,5 Millimeter. (APA/red, derStandard.at, 12.3.2015)

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